08.06.2017 
SAP-Chef McDermott über den Verlust seines Auges

"Mein Unfall hat mein Leben besser gemacht"

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SAP-Chef Bill McDermott geriet zuletzt vor allem wegen seines großzügigen Jahresgehalts in die Schlagzeilen: Die Einkünfte des Amerikaners in Diensten des Softwarekonzerns aus dem baden-württembergischen Walldorf hatten sich im vergangenen Jahr etwa verdreifacht und waren mit 14 Millionen Euro so hoch wie bei keinem anderen Chef eines Dax-Konzerns.

In einem Interview mit dem US-Sender CNBC mit McDermott rückte nun ein anderes, sehr persönliches Thema des Managers in den Fokus: Sein Unfall vor zwei Jahren, bei dem er ein Auge verlor, und wie sich dieses Ereignis auf das Leben des Vorstandschefs ausgewirkt hat.

Glaubt man McDermott, dann war jener fatale Treppensturz im Jahr 2015, der zum Verlust des linken Auges führte, rückblickend offenbar beinahe ein Glücksfall. "Mein Unfall hat mein Leben besser gemacht", so McDermott laut CNBC. "Ich bin der lebende Beweis dafür, dass eine Vision nicht nur das ist, was man tatsächlich sieht. Mein Unfall hat mir so viel Kraft gegeben, so viel Entschlossenheit und so viel Leidenschaft."

McDermott hatte sich im Juli 2015 anlässlich des Geburtstags seines Vaters im Hause seines Bruders in den USA aufgehalten. Nach Mitternacht, so die Darstellung des SAP-Chefs, ging er mit einem Wasserglas in der Hand eine Treppe hinunter und rutschte auf dem Teppich aus. McDermott fiel mit dem Gesicht in die Scherben des Glases, von denen sich eine in sein linkes Auge bohrte, und verlor vorübergehend das Bewusstsein.

"Wenn Sie eine Glasscherbe im Auge haben, ist es schwierig, es zu retten"

"Ich kam mit Blaulicht ins Krankenhaus. Die Ärzte schafften es zwar in einer langen Operation zunächst, mein Auge zu retten. Später kam es zu einer Infektion und letztlich mussten meine Ärzte das Auge entfernen", erzählte McDermott später.

Gegenüber CNBC rekapitulierte er nun noch einmal die Ereignisse. Nachdem er wieder zu Bewusstsein gekommen sei, sei es ihm gelungen, auf die Straße zu kommen und Hilfe zu rufen, und dass, obwohl er wegen des blutenden Auges kaum etwas sehen konnte.

"Ich wache also nach dem Treppensturz auf", so McDermott. "Ein Stoß hatte mir das Bewusstsein geraubt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich alleine war, niemand konnte mich hören."

Und weiter: "Also musst Du einen Weg finden, hochzukommen, rauszukommen, damit klar zu kommen. Aber wissen Sie, wenn Sie eine Glasscherbe im Auge haben, ist es ziemlich schwierig, es zu retten. Ich verlor zwar diesen Kampf, aber einen viel größeren habe ich gewonnen."

Mehr als neun Stunden hatten die Ärzte in einer ersten Operation um McDermotts Auge gekämpft. Bis alles überstanden war, folgten weitere elf oder zwölf Eingriffe, so der Manager. Im Herbst 2015 nahm er die Arbeit bei SAP wieder auf.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Gegenüber CNBC schildert McDermott nun auch, wie im diese Erfahrung geholfen hat, in hektischen Situationen die Ruhe zu bewahren. "Ich glaube, ich bringe meine beste Leistung unter Druck", sagt er. "Wenn sich die Dinge für alle anderen beschleunigen und hektisch werden, nehme ich sie viel langsamer wahr. Ich sehe die Ereignisse dann in Zeitlupe ..." So könne er chaotische Zustände besser durchblicken und geeignete Lösungen finden, so McDermott.

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