26.03.2007 
VDA

Wissmann wird Cheflobbyist

2. Teil: Wissmanns Marschrichtung

Wissmanns Marschrichtung

Mit Wissmann an der VDA-Spitze dürfte der zuletzt etwas ruppige Umgang zwischen Umweltpolitikern und - verbänden auf der einen Seite und der Autolobby auf der anderen geschmeidiger werden. Eine "ausgezeichnete Wahl" nannte Gabriel die Berufung Wissmanns und bescheinigte ihm reichlich Erfahrung in der Verkehrspolitik und auf dem europäischen Parkett. Die Umweltstiftung Euronatur erklärte, mit Matthias Wissmann bestehe nun die personelle Chance, die "Umwelt-Blockade-Politik des VDA zu überwinden".

Gerade einmal rund zwei Wochen brauchte die deutsche Autoindustrie für die Suche nach ihrem neuen Cheflobbyisten. Wissmanns Name wurde in den öffentlichen Spekulationen über den neuen VDA-Chef erst sehr spät aus dem Hut gezaubert, offenbar um den Kandidaten nicht zu verbrennen.

Als mögliche neue Verbandspräsidenten waren zuletzt BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg und Ford-Manager Wolfgang Schneider gehandelt worden, auch Ex-BMW-Chef Helmut Panke und der frühere VW-Konzernlenker Bernd Pischetsrieder waren im Gespräch. Als mögliche Übergangslösung bis zur Automesse IAA im September galt zudem Ex-Mercedes-Chef Jürgen Hubbert.

Die Bewährungsprobe für Wissmann wird es sein, die Antworten der deutschen Autoindustrie auf die Herausforderung durch den Klimawandel in der Öffentlichkeit offensiver und wirksamer zu vertreten, als dies Gottschalk gelungen war. So steckten die deutschen Hersteller zwar Milliardensummen in die Entwicklung sparsamerer Diesel- und Benzinantriebe, doch ging dies in dem öffentlichen Hype um die Hybrid-Technologie japanischer Autobauer unter.

Wie sehr das Thema Klimaschutz den Verantwortlichen auf den Nägeln brennt, zeigte sich wenige Tage vor Gottschalks Rücktritt auf dem Genfer Automobilsalon Anfang März, als keine Geringeren als Zetsche und Winterkorn ein klares Bekenntnis zu spritsparenden Motoren und weniger Schadstoffausstoß ablegten. Wissmanns Marschrichtung ist damit vorgegeben.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap und dpa

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