16.09.2015 
SAP-Chef Bill McDermott verliert bei Unfall ein Auge

"Ich werde mit dieser Erfahrung SAP besser machen"

Von mm-newsdesk

Der Vorstandschef von Europas größtem Software-Konzern, Bill McDermott, hat mehreren Berichten zufolge durch einen Sturz Anfang Juli das linke Auge verloren. Bei dem Unfall auf der Treppe im Haus seines Bruders in den USA sei er nach Mitternacht auf ein Wasserglas gefallen, das er in der linken Hand getragen habe, berichten die "Süddeutsche Zeitung" und die "Wirtschaftswoche". "Er ist fast verblutet, war ohnmächtig, hat sich dann raus geschleppt auf die Straße - das hat er uns so erzählt letzte Woche", zitiert die "WiWo" SAP -Mitbegründer Hasso Plattner.

McDermott könne aber seiner Arbeit nachgehen. "Anfang Oktober treffen wir uns vor der Aufsichtsratssitzung in Walldorf", sagte Plattner. Der 54 Jahre alte Manager sei bei dem Treffen dabei und "voll arbeitsfähig".

McDermott kündigte zudem in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) an, er werde im Oktober wieder nach Deutschland kommen und weiter den Softwarekonzern führen. "Ich bin voll für SAP da, voll in meinem Job. Selbstverständlich stand ich die ganze Zeit in regelmäßigem Kontakt mit dem Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden Hasso Plattner", sagte McDermott der "SZ".

McDermott pendelt üblicherweise zwischen Deutschland und den USA, seit dem Sommer aber war er nicht mehr in der deutschen SAP-Zentrale in Walldorf. Ihm sei es wichtig, mit einer solch persönlichen Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte der Manager der "SZ": "Jedem kann so etwas passieren. Wichtig ist, wieder aufzustehen, wenn man hingefallen ist."

Am 76. Geburtstag seines Vaters habe er einen wunderschönen Abend mit Freunden und Familie verbracht, berichtet McDermott in dem SZ-Interview. "Nachts ging ich nach unten, mit einem Wasserglas in der Hand, rutschte auf dem Teppich der Treppe aus und fiel. Ich landete mit dem Gesicht in den Scherben. Ein Splitter drang in mein linkes Auge, ich verlor vorübergehend das Bewusstsein. Ich kam mit Blaulicht ins Krankenhaus. Die Ärzte schaffte es zwar in einer langen Operation zunächst, mein Auge zu retten. Später kam es zu einer Infektion und letztlich mussten meine Ärzte das Auge entfernen", erzählt McDermott.

McDermott geht in die Offensive - "Ich schöpfe Kraft daraus"

Der 54jährige Amerikaner McDermott geht sehr offensiv mit seinem Unfall und dem persönlichen Schicksalsschlag um. "Ich glaube, so bitter diese Geschichte für mich ist, ich werde mit dieser Erfahrung auch die SAP besser machen", betont McDermott in dem Interview.

Der gesamte Aufsichtsrat stehe voll hinter ihm. Er dürfe im Oktober "endlich wieder fliegen" und werde dann nach Deutschland kommen. In den Monaten in den USA sei er sehr produktiv gewesen - abgesehen von den Aufenthalten im Krankenhaus. Er schöpfe Kraft aus dieser Erfahrung.

Er habe großen Respekt vor der Leistung der Ärzte und Pfleger und sei der Ansicht, dass auch Europas größter Softwarekonzern mit rund 74.000 Mitarbeitern dabei helfen könne, den Wissensaustausch und den Austausch medizinischer Daten in den Krankenhäusern zu verbessern. "Unsere Software kann mithelfen, solche Schicksale besser zu handhaben", so McDermott.

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