17.04.2019 
Mitten im Konzernumbau

ABB-Chef Spiesshofer tritt überraschend zurück

Der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB muss sich mitten im Umbau völlig überraschend einen neuen Chef suchen. Konzernchef Ulrich Spiesshofer tritt mit sofortiger Wirkung zurück, wie ABB am Mittwoch mitteilte. Verwaltungsratspräsident Peter Voser übernehme zusätzlich die operative Leitung des Zürcher Unternehmens. Die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger sei eingeleitet worden.

"Ich werde nun eine Auszeit nehmen, bevor ich über das nächste Kapitel meines Berufslebens entscheide", erklärte Spiesshofer, der 2013 an die Spitze des Vorstands rückte. Sein Abgang kommt völlig überraschend. Angesichts einer über Jahre mauen Aktienkursentwicklung hatten Aktionäre wie der aktivistische Fonds Cevian zwar immer wieder Änderungen am Kurs von Spiesshofer gefordert. Doch mit der Ankündigung des Verkaufs der Stromnetzsparte im Dezember verstummte die Kritik. Zudem waren auch Firmeninsider der Ansicht, dass der ebenfalls im Dezember angestoßene erneute Konzernumbau am besten von Spiesshofer, der sowohl die Schweizer wie auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, umgesetzt werden könne.

Bis auf Weiteres wird nun Voser diese Aufgaben übernehmen. Der Schweizer ist seit 2015 Präsident von ABB, zuvor war er jahrelang Vorstandschef des Erdölkonzerns Shell. "Wir werden uns weiterhin auf die Umsetzung der ABB-Strategie konzentrieren und Mehrwert für alle unsere Stakeholder schaffen", erklärte Voser.

ABB legt überraschend Zahlen vor

ABB nahm die Mitteilung über den Chefwechsel zum Anlass, den erst in zwei Wochen fälligen Zwischenbericht vorzuziehen. Angesichts einer Abschwächung der Nachfrage von Kunden unter anderem aus dem Automobilsektor sank der Gewinn im ersten Quartal um sechs Prozent auf 535 Millionen Dollar.

Im Tagesgeschäft spürt der Siemens-Rivale weiterhin die Zurückhaltung wichtiger Kundengruppen. Der Auftragseingang stieg in den ersten drei Monaten des Jahres um drei Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar.

Angesichts des Chefwechsels sahen ABB-Anleger über die durchwachsenen Quartalszahlen hinweg. Bis zum Mittag stieg die Aktie in Zürich um rund 5,5 Prozent auf 21,21 Schweizer Franken. Analyst Guillermo Peigneux Lojo von der Schweizer Großbank UBS sieht im Chefwechsel den Wandel des Industriekonzerns untermauert und wertet die Nachricht dementsprechend positiv.

Die Beurteilung der Quartalszahlen des Konzerns, der seine Schwerpunkte in den Bereichen Automatisierung und Digitalisierung hat, fiel durchwachsen aus: Während Andreas Willi von der US-Bank JPMorgan verfehlte Erwartungen in Sachen Profitabilität hervorhob, sah Wasi Rizvi vom Analysehaus RBC knapp übertroffene Erwartungen und einen im Wesentlichen bekräftigten Ausblick.

mg/rtr, dpa-afx

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