28.02.2020 
Thyssenkrupp

Ein Irrtum der Wirtschaftsgeschichte

Ein Kommentar von

In ThyssenKrupp steckte also doch noch etwas Gutes. Bei den 17,2 Milliarden Euro, die der Ruhrkonzern für seine Aufzugsparte bekommt, kann man sich nur die Augen reiben. An solche Erfolgs-Dimensionen werden sich bei Thyssenkrupp selbst die Pensionäre nicht erinnern können. Schade, dass das Wunder nur über einen Ausverkauf möglich war.

Denn setzt man die Summe ins Verhältnis zum Börsenwert des Gesamtkonzerns, der bei schwachen 5,4 Milliarden Euro liegt, offenbart sich 20 Jahre Missmanagement. Und dass der Verkauf die richtige Entscheidung war.

Vermeintliche Manager-Größen wie Gerhard Cromme oder Heinrich Hiesinger haben es über Jahrzehnte nicht geschafft, ein erfolgreiches Konzerngebilde zu konstruieren. Sie haben lieber Managerherrlichkeit gelebt und sich von phasenweise üppigen Gewinnen der Stahl-Division blenden lassen, als das Portfolio stabil auszurichten. Sie meinten, völlig unterschiedliche Geschäfte unter einem Dach führen zu können. Es ist ihnen nicht gelungen - sie haben sich überschätzt. Der Verkauf der Aufzüge macht überdeutlich: Das Konglomerat Thyssenkrupp war ein Irrtum der Geschichte.

Es ist das Verdienst von Konzernchefin Martina Merz und dem unter Siegfried Russwurm neu formierten Aufsichtsrat, endlich für klare Verhältnisse gesorgt zu haben. Gut, dass Merz von der Linie ihres Vorgängers Guido Kerkhoff abgewichen ist. Der glaubte an ein Weiter-so durch einen Börsengang der Aufzugs-Division. Thyssenkrupp hätte dann die unternehmerische Führung behalten, obwohl es der Konzern trotz vieler Versuche nachweislich nicht geschafft hat, zu den Branchenbesten aufzuschließen. Und das Konglomerat hätte fortbestanden.


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Der Milliardenzufluss macht das restliche Thyssenkrupp jetzt finanziell und bilanziell zu einem - für den Moment - vergleichsweise soliden Unternehmen. Geschäftlich bleibt es schwierig und damit risikoreich. Thyssenkrupp ist im Grunde zurückgeworfen auf seinen Ursprung, den kapitalverschlingenden und extrem konjunkturanfälligen Stahl. Der aber steht in Zeiten strengerer Klimapolitik vor noch gewaltigeren Herausforderungen als ohnehin schon.

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