30.01.2019 
Joe Kaeser gegen EU-Kommissarin Vestager

Rückwärtsgerichtet? Von wegen!

Ein Kommentar von

Es sind harsche Worte, mit denen Siemens-Chef Joe Kaeser (61) gegen EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (50) keilt, schon wieder. Es werde "interessant sein zu sehen, ob die Zukunft der Mobilität in Europa durch rückwärtsgerichtete Technokraten oder aber von zukunftsorientierten Europäern bestimmt" werde, erklärte er am Mittwoch mit Blick auf die von Siemens und Alstom avisierte Fusion, mit der die beiden Konzerne einen "European Champion" im Zuggeschäft schaffen wollen.

Ein paar Tage zuvor war er Vestager bereits ähnlich über den Kurznachrichtendienst Twitter angegangen, nachdem diese deutliche Vorbehalte gegen die Fusion signalisiert hatte. "Wer Europa liebt, der sollte sich nicht in rückwärts gerichteten Formeln verlieren", ging er die Wettbewerbskommissarin frontal an.

Die Rollenverteilung in dem Weltbild, das Kaeser da transportiert, ist klar: Die zukunftsorientierten Europäer, das sind die Lenker von Siemens und Alstom, die mit der Fusion der übelmeinenden Konkurrenz aus China Einhalt gebieten wollen, und ihre zahlreichen politischen Unterstützer in Frankreich und Deutschland. Die rückwärtsgerichteten Technokraten EU-Kommissarin Vestager und alle, die mit ihr einer Meinung sind.

So verständlich Kaesers wirtschaftliches Interesse an einer Fusion ist - und ihm ein Gelingen für seine persönliche Erfolgsbilanz als Manager wichtig -, so falsch liegt er mit seiner Kritik - nicht nur im Ton, sondern auch inhaltlich.

Denn es einer EU-Wettbewerbskommissarin aufzuerlegen, die Schaffung europäischer Champions zu ermöglichen, ist geradezu absurd. Frau Vestagers Job ist es, den Wettbewerb innerhalb Europas sicherzustellen und nicht den Interessen einzelner Konzerne zu dienen oder internationale Industriepolitik zu betreiben.


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Und mit ihrer signalisierten Einschätzung, dass ein Zusammenschluss dem europäischen Wettbewerb abträglich sein könnte, steht sie nicht alleine da. Ebenso damit, dass die Entstehung eines hochpreisigen europäischen Monopolisten die aktuell ohnenhin noch nicht wettbewerbsfähigen chinesischen Konkurrenten womöglich eher auf den Plan rufen denn abschrecken dürfte.

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