26.02.2019 
Ausverkauf im Jubiläumsjahr

Kathrein gibt Kernsparte Mobilfunk ab

Von
Kathrein

Die Ankündigung kommt pünktlich zum Start der Leitmesse Mobile World Congress in Barcelona. Der Netzwerkausrüster Ericsson kann seinen Status als Verfolger von Huawei festigen: Die Schweden übernehmen für eine ungenannte Summe das Geschäft mit Mobilfunkantennen und -filtern des Rosenheimer Mittelständlers Kathrein. Im Rennen um die Zukunftstechnik 5G stehen sie jetzt besser da.

Für den Standort Deutschland hingegen ist es wieder ein Beispiel, wie diese Kompetenz verloren geht. Die Kathrein-Werke wurden bislang als Weltmarktführer im Antennenbau gerühmt, einer der für den deutschen Mittelstand typischen Hidden Champions. Inhaber und Firmenchef Anton Kathrein III. (34) spricht davon, "die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit dieses bedeutenden Geschäfts zu sichern" - was "angesichts der strategischen Optionen" auf einen Verkauf hinauslief.

4000 Beschäftigte an 20 Standorten wechseln zu Ericsson. Kathrein, vom ebenfalls Anton Kathrein genannten Großvater des heutigen CEO 1919 gegründet, wird damit im 100. Jubiläumsjahr regelrecht entkernt. Erst zum Jahreswechsel hatte Kathrein - nach drei Werksschließungen - einen weiteren Abbau hunderter Stellen für 2019 zur Konzentration auf das Kerngeschäft angekündigt.

Anfang Februar wurde der Verkauf der Sparte Automotive an Continental abgeschlossen - ein deutliches Zeichen der Umkehr vom Streben nach Größe in der zweiten Firmengeneration unter dem 2012 verstorbenen Anton Kathrein II. Der hatte in etlichen Unternehmerverbänden gewirbelt, für die Kathrein-Werke Milliardenumsätze ausgewiesen und sich nebenbei als Retter von Marken der deutschen Wirtschaftswunderzeit versucht - mit schnell sichtbarem Misserfolg im Fall Grundig; das Autofunkgeschäft von Blaupunkt hingegen schien unter Kathreins Obhut eine Fortsetzung zu erleben.

Mit nur 28 Jahren musste Anton Kathrein III. das Erbe als Jungunternehmer antreten. Zunächst wurde ihm auch der Nimbus des erfolgreichen Entrepreneurs übertragen. "Forbes" führte ihn neben Snapchat-Gründer Evan Spiegel als einen der wenigen jungen Milliardäre auf dem Globus.

Doch hinter den Kulissen wurde bald klar, dass sich diese Position nicht halten ließ. Das manager-magazin-Ranking der reichsten Deutschen führte Kathrein zuletzt noch auf Platz 524, mit 300 Millionen Euro Vermögen.

Die Umsätze? Künstlich aufgebläht. Die Struktur? Reinstes Patchwork. Die Finanzen? Der reinste Dschungel. Wenn dann auch noch die Auftragslage abflaut und die chinesische Konkurrenz die Sendeleistung hochfährt, wird die Mischung schnell toxisch. Also hat der Erbe zwei Werke geschlossen, mehrere Hundert Mitarbeiter müssen gehen. Die Banken hat er bekniet, noch ein wenig stillzuhalten.

Nach dem Verkauf an Ericsson bleiben nur noch das Geschäft mit Satellitenantennen, mit dem Kathrein in den 1990er Jahren groß geworden war, und mit Antennen für die Rundfunk-Übertragung. Der Elektronik-Fertiger Katek ging an die Beteiligungsfirma Primepulse.

Was aus dem verbleibenden Geschäft werden soll, ist offen. Die Sparten sollen so aufgestellt werden, dass sie eigenständig überleben können. "Noch ist die Neuordnung der Gruppe nicht abgeschlossen", betonte eine Sprecherin. Der Chef-Sanierer Hans-Joachim Ziems geht allerdings, sobald der Verkauf an Ericsson vollzogen ist.

mit Material von Reuters

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