18.02.2019 
Hunderte Stellen bedroht

Deutsche Post fasst Paketversand in Billigtochter zusammen

DieDeutsche Post legt einem Bericht der Zeitung "Die Welt" vom Montag zufolge ihre Paketzustellung mit dem Versand der Billigtochter Delivery zusammen. Auch die Verwaltungsarbeit in den Niederlassungen werde gekürzt und aus zehn Standorten abgezogen. Insgesamt fielen Hunderte Stellen weg, ein Streit zwischen den Gewerkschaften und einem Großteil der Mitarbeiter sowie dem Management bahne sich an. An der Börse verlor die Deutsche Post-Aktie am Montagvormittag über 2 Prozent.

Post-Chef Frank Appel sortiert Paketsparte um
REUTERS
Post-Chef Frank Appel sortiert Paketsparte um

Hintergrund der Fusion ist laut "Welt" ein Sparprogramm von Post-Chef Frank Appel, der den Gewinn in der Brief- und Paketsparte um eine halbe Milliarde Euro erhöhen wolle. Anfang vergangener Woche war den Angaben zufolge ein sogenanntes Einigungsstellenverfahren vor dem Düsseldorfer Landgericht gescheitert. Dort hatte sich der Konzernbetriebsrat der Post darum bemüht, bei der Zusammenlegung gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchzusetzen.

Nun will Appel dem Bericht zufolge die Teile rasch fusionieren. Das Unternehmen teilte laut "Welt" mit, dass es "den geltenden Regelungen entsprechend" möglich sei, in der Paketzustellung gemeinsame Betriebe zwischen der Deutschen Post AG und den Tochtergesellschaften der DHL-Delivery einzurichten. "Derzeit ist allerdings noch nicht entschieden, wann eine solche Betriebsorganisation umgesetzt wird", wird ein Sprecher zitiert.

Weniger Geld für gleiche Arbeit?

2018 war bekannt geworden, dass auch Briefzusteller mit den Mitarbeitern aus der Billig-Tochterfirma Delivery zu einem Betrieb zusammengelegt werden sollen. Die Gewerkschaften befürchteten bereits damals eine Aushöhlung der Tarifverträge.

Sollten die aktuellen Fusionspläne umgesetzt werden, würde der Konzern Neuland betreten: Paketboten aus zwei komplett unterschiedlichen Arbeits- und Lohnwelten könnten künftig direkt nebeneinander arbeiten. Betroffen wären Mitarbeiter der Deutschen Post Aktiengesellschaft, die nach dem Haustarifvertrag angestellt sind. Auf der anderen Seite die rund 13.000 Beschäftigten der Tochterfirma Delivery, die nach dem Logistiktarif der jeweiligen Bundesländer bezahlt werden. Dieser Tarif liegt etwa ein Viertel unter den Löhnen des Konzerns. Auch die Arbeitszeit ist unterschiedlich.

"Diese Ungleichheit wird zu Unmut unter den Beschäftigten führen", sagte Christina Dahlhaus, Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM, der "Welt". Die Gewerkschaftschefin sprach vom einer "Rolle rückwärts" und "verdeckter Leiharbeit". Der Konzern sei mit seinem Konzept einer Billigzustellung über die Delivery-Gesellschaften gescheitert. Dahlhaus wie auch die Gewerkschaft Verdi streben einen gemeinsamen Tarifvertrag der Beschäftigten an. "Ein Betrieb, ein Tarifvertrag, dafür setzen wir uns in allen Verhandlungen ein", erklärte die für die Post zuständige stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. Entsprechende Verhandlungen liefen, heißt es zudem in einem Verdi-Schreiben an die Beschäftigten. Das Szenario der "Welt" vom drohenden Stellenabbau konnte Verdi jedoch nicht nachvollziehen. Eine Verdi-Sprecherin sagte, ihr seien keine Pläne des Konzerns für einen Stellenabbau in Deutschland bekannt: "Wir können keine Bedrohungslage erkennen."


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Bislang arbeiten die beiden Zustellunternehmen Deutsche Post AG und Delivery strikt voneinander getrennt - etwa bei Fahrzeugen, Berufskleidung oder Pausenräume.

SPIEGEL ONLINE mit reuters/dpa/akn

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