05.12.2019 
Neuer Rückschlag für US-Flugzeugbauer

Boeing verliert mitten in der Krise Chefingenieur der 737 Max

Der US-Flugzeughersteller Boeing muss bei den Bemühungen um eine Wiederzulassung des Unglücksfliegers 737 Max künftig ohne eine der wichtigsten Führungskräfte auskommen. John Hamilton, der Chefingenieur der Verkehrsflugzeugsparte von Boeing, verabschiedet sich mitten in der Krise in den Ruhestand. Das teilte der Konzern den Mitarbeitern am Mittwoch (Ortszeit) in einem internen Memo mit. Zuerst hatte die "Seattle Times" darüber berichtet.

Hamilton war erst im Frühjahr mit dem Krisenmanagement nach den beiden verheerenden 737-Max-Abstürzen betraut worden, bei denen im Oktober 2018 und März 2019 insgesamt 346 Menschen starben. Er stand bei den Anhörungen zu den Hintergründen der Unglücke, die zu Startverboten für Boeings bestverkauften Flieger führten, im US-Kongress an der Seite von Vorstandschef Dennis Muilenburg.

Dem Memo zufolge wollte Hamilton sich eigentlich schon vergangenes Jahr zurückziehen. "Wir baten ihn, noch zu bleiben, um uns mit den 737-Max-Untersuchungen und den Bemühungen um eine Wiederinbetriebnahme zu helfen", erklärten die Boeing-Manager Stan Deal und Greg Hyslop in dem Rundschreiben an die Mitarbeiter. Hamilton war 35 Jahre im Unternehmen tätig, seine Nachfolgerin wird die hochrangige Boeing-Ingenieurin Lynne Hopper.

Boeing steckt in einer tiefen Krise. Die Probleme reichen weit zurück, sind seit den Abstürzen aber noch einmal eskaliert. Seit März gilt ein weltweites Flugverbot für die 737 Max. Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt. Immer mehr auch US-amerikanische Airlines wechselten in jüngster Zeit zum europäischen Konkurrenten Airbus und gaben dort ihre Flugzeug-Bestellungen auf. Zudem ist bisher kein Ende des Flugverbots für die 737 Max in Sicht.

mg/dpa-afx

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