09.10.2019 
Umstrittene App soll Hongkong-Demonstranten helfen

Peking nimmt Apple ins Visier

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Ist es die politische Retourkutsche für die "schwarze Liste", auf die die US-Regierung gerade 23 chinesische Unternehmen und Regierungsorganisationen gesetzt hat? Oder ist es die Verstimmung Pekings über die Solidaritätsbekundung eines Managers der US-Basketballliga NBA mit den Demonstranten in Hongkong?

Noch sind die Motive unklar, jedenfalls nimmt Peking jetzt keinen Geringeren als den Technologie- und iPhone-Konzern Apple ins Visier. Der Konzern erwirtschaftet im Reich der Mitte immer noch Milliardenumsätze und lässt dort produzieren.

Jedenfalls verdächtigt die "Volkszeitung", das offizielle Blatt der Kommunistischen Partei (KP) Chinas, Apple der möglichen Zusammenarbeit mit den Demonstranten in Hongkong. In der chinesischen Sonderverwaltungszone protestieren nahezu täglich Zehntausende Menschen gegen die pekingtreue Regierung und fürchten um ihre Freiheitsrechte.

Konkret kritisiert das Parteiorgan in einem Bericht die Zulassung einer bestimmten App auf Apple-Geräten. Mit dem kleinen Programm namens "HKmap.live" sollen Demonstranten die Ansammlung von Polizisten verfolgen und ihre Proteststrategie danach ausrichten können. Damit öffne Apple gewalttätigen Demonstranten Tür und Tor in Hongkong, lautet die Kritik. Apple äußerte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht.

Protagonisten und Nutzer der App argumentieren laut einem "FAZ"-Bericht anders: Angesichts der vielen immer wieder auch spontanen Massenaufläufe von Menschen helfe ihnen die App diese besser zu erkennen, zu meiden und so schneller durch ohnehin verstopften Straßen Hongkongs schneller voranzukommen - etwa zur Arbeit.

Staatszeitung: App stiftet zu illegalem Verhalten an

Die chinesische Staatszeitung hingegen betont, Apples App stifte zu "illegalem Verhalten" an. Das "Ansehen" des Konzerns könnte darunter leiden und verletze womöglich "Gefühle seiner Konsumenten", zitiert die "FAZ" aus dem Bericht der "Volkszeitung", den viele Medien in China gleich aufgriffen und weiterverbreiteten. Was die Berichte offensichtlich verschweigen ist die Tatsache, dass die App auch im Android-Store zu finden ist.

Wegen einer App dürfte sich der US-Konzern sicher nicht mit den Machthabern in Peking anlegen - er sollte sich dies jedenfalls nicht leisten, zumal der chinesische Konkurrent Huawei immer stärker wird.

Zwar fielen Apples Umsätze in China zuletzt auf rund 9 Milliarden Dollar im dritten Quartal zurück, doch ist Apple enorm abhängig von China. Zum einen lässt der iPhone-Konzern im Reich der Mitte produzieren, zum anderen ist Apple von dortigen Zulieferern abhängig: Der Anteil der Apple-Zulieferer - jener Firmen also, die Bauteile wie Glas, Alu-Gehäuse, Kabel und Elektronik-Bauteile bereitstellen - stieg in diesem Jahr auf 47,6 Prozent.

Den Schaden, den Peking durch eine Eskalation des Streits anrichten könnte, ist also nicht zu unterschätzen. Nicht von ungefähr hatte Apple-Chef Tim Cook unlängst US-Präsidenten Trump beim Dinner massiv bearbeitet, von bestimmten Strafzöllen gegen China Abstand zu nehmen. Die USA und China liefern sich seit mehr als einem Jahr eine erbitterte Handelsauseinandersetzung. Ende der Woche soll es neue Handelsgespräche zwischen beiden Seiten in Washington geben.

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