08.04.2019 
Nach Leukert und Görke geht auch Cloud-Chef Enslin

SAP verliert weiteren Vorstand - Morgan übernimmt

Von

Europas größter Softwarehersteller SAP und Cloud-Vorstand Robert Enslin (55) gehen getrennte Wege. Der US-Amerikaner "verlässt auf eigenen Wunsch SAP und übernimmt künftig neue Aufgaben außerhalb des Unternehmens", teilte SAP am späten Freitagabend mit.

Der seit 1992 bei SAP arbeitende und seit 2014 im Vorstand sitzende Manager war für das bei SAP wichtige Cloud-Geschäft zuständig. Dabei wird der Kundschaft Software über Server aus dem Internet zur Verfügung gestellt. Das Cloud-Geschäft gilt bei SAP als Wachstumstreiber und Zukunftsgeschäft. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen dem Vernehmen nach erstmals in diesem Bereich mehr Umsatz verzeichnet als im traditionellen Softwarebereich. Bis 2023 will das Unternehmen seine Cloud-Erlöse sogar verdreifachen.

Zuletzt meldete SAP, dass der Auftragsbestand für die Cloud um 30 Prozent gestiegen sei und zum Jahresende 10 Milliarden Euro überstiegen hätte. Auch die Erlöse aus Cloud-Support und -Subskriptionen sei mit 32 beziehungsweise 38 Prozent gestiegen.

Jennifer Morgan übernimmt - dritter Top-Abgang binnen weniger Wochen

Enslins Aufgaben übernimmt seine bisherige Vorstandskollegin Jennifer Morgan (48), die "Fortune" zuletzt in seiner Liste der "mächtigsten Frauen" auf Rang 43 führte.

Enslin ist nach Bernd Leukert der zweite SAP-Vorstand binnen weniger Wochen, der das Unternehmen verlässt. Leukert hatte sich Ende Februar mit dem Aufsichtsrat auf ein sofortiges Ausscheiden verständigt. Ebenfalls weg ist auch der bisherige CTO Björn Görke, der den Konzern nach 30 Jahren verlassen hat.

Zu den Gründen des Aderlasses bei SAP gibt es nur Spekulationen. Die Aktien rutschten zumindest am Montag um 1,7 Prozent auf 100,74 Euro ab und waren zeitweise Schlusslicht im Dax . Der Weggang von Enslin werde am Markt negativ aufgenommen, sagte ein Händler. Der Manager sei außerdem als potenzieller Nachfolger für SAP-Boss Bill McDermott (57) im Gespräch gewesen.

Enslin schreibt, es lägen neue Ziele vor ihm, berichtet das "Handelsblatt". Über Görke spekulieren Medien, er habe womöglich ein Angebot von Google bekommen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" weist darauf hin, dass mit dem neuerlichen Weggang der Vorstand um zwei Mitglieder schrumpfe, Konzernchef McDermott dies aber als nächsten Schritt zur Vereinfachung des Unternehmens wertete. Sein Ziel sei es, die Betriebsabläufe effizienter zu gestalten und neue Lösungen schneller an den Markt zu bringen. Damit will McDermott offenbar der Kritik begeben, nicht genug auf Kundenwünsche einzugehen.


Lesen Sie auch:
Vorstand Bernd Leukert verlässt SAP
SAP will Tausende in den Vorruhestand schicken
SAP-Rivale: Die riskante Ego-Show des Oracle-Gründers


Für zusätzliche Unruhe unter den Mitarbeitern dürften die Personalien vermutlich dennoch sorgen, steckt SAP doch mitten in einem Restrukturierungsprogramm, bei dem am Ende bis zu 4400 Mitarbeiter weltweit das Unternehmen verlassen könnten, davon 1200 in Deutschland.

mit Material von dpa und reuters

Mehr zum Thema