15.08.2018 
Insolvente Airline

Air Berlin kann Kredit des Bundes wohl zurückzahlen

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin kann nach Einschätzung des Insolvenzverwalters den kompletten Millionenkredit an die öffentliche Hand zurückzahlen. Es sehe derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit so aus, dass in den kommenden Jahren die 150 Millionen Euro bedient werden könnten, allerdings ohne Zinsen, sagte Insolvenzverwalter Lucas Flöther der Deutschen Presse-Agentur. Damit seien die Aussichten besser als gedacht. Noch im Frühjahr sei Air Berlin davon ausgegangen, nur die Hälfte der Summe zurückzahlen zu können. Dieses Ziel sei bereits erreicht worden.

Die ehemals zweitgrößte deutsche Airline hatte am 15. August 2017 Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte der Gesellschafter Etihad Airways seinem deutschen Ableger den Geldhahn zugedreht. Die Bundesregierung hatte Air Berlin damals ein Darlehen gewährt, um das Unternehmen in der Luft zu halten und einen Verkauf zu ermöglichen

Auch ein Jahr nach der Pleite investiert der Insolvenzverwalter Lucas Flöhter einen Großteil seiner Arbeitszeit in die Abwicklung des Konzerns. "Zwar sind die spektakulären und vor allem sehr öffentlichkeitswirksamen Teile des Verfahrens vorbei", sagt er und spielt auf die zahlreichen Verkäufe von Unternehmensteilen samt Flugrechten an Lufthansa, Easyjet oder Niki Lauda an. Aber die eigentliche Arbeit habe erst angefangen.

60 von 8000 Beschäftigten sind noch im Haus

Flöther und sein Team befassen sich nun unter anderem damit, Ansprüche einzutreiben, das Inventar zu versteigern und Haftungsansprüche zu prüfen. Das kann gut noch zehn Jahre dauern, schätzt er. Das sei normal für ein Unternehmen dieser Größe. Es gelte nun, Forderungen von Gläubigern aufzulisten. Neben der Bundesregierung sind unter den 1,3 Millionen Gläubigern hauptsächlich Fluggäste, die auf Ticketpreisen sitzen geblieben sind oder auf Entschädigungen wegen Verspätungen warten.

Ob die Passagiere je einen Cent bekommen, hängt davon ab, ob es Flöther gelingt, Etihad in die Pflicht zu nehmen. Der Gesellschafter aus Abu Dhabi hatte vor der Pleite einen sogenannten Comfort Letter geschrieben, eine Finanzierungserklärung. Mehrere Gutachten bestätigten, dass es sich dabei um eine Patronatserklärung handele, sagt Flöther. Heißt: Etihad hätte finanziell für Air Berlin einstehen müssen. Jetzt will Flöther die sich daraus ergebenden Ansprüche geltend machen. Das könnte in jahrelangen Rechtsstreitigkeiten münden, es dürfte um eine Milliardensumme gehen.

Von den einst 8000 Beschäftigten sind noch 60 im Haus, die Flöther unterstützen. Die meisten Ex-Air-Berliner haben einen neuen Job. Nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi mussten dafür viele ein Verschlechterung hinnehmen. Nur für die Piloten sei die Jobsuche relativ unkompliziert gewesen.

jh/dpa

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