13.06.2019 
Bund schließt Verkauf neuer Mobilfunkfrequenzen ab

5G-Gewinner zahlen 6,5 Milliarden Euro

Der Bund hat mit der Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen über 6,5 Milliarden Euro eingesammelt. Am Mittwoch endete die 5G-Auktion nach 52 Tagen und 497 einzelnen Bieterrunden, wie die Bundesnetzagentur mitteilte. Letztlich gaben die vier Teilnehmer Deutsche Telekom , Vodafone , Telefónica Deutschland und Drillisch deutlich mehr aus als erwartet.

Versteigert wurden insgesamt 420 Megahertz an Frequenzen. Jeweils 130 Megahertz erwarben die Deutsche Telekom für knapp 2,2 Milliarden Euro und Vodafone für 1,9 Milliarden Euro. Die United-Internet-Tochter Drillisch, die erstmals bei einer Versteigerung teilgenommen hatte, legte für 70 Megahertz knapp 1,1 Milliarden Euro auf den Tisch. Telefonica Deutschland, bekannt unter dem Markennamen "O2", ersteigerte 90 Megahertz für 1,4 Milliarden Euro.

Analysten hatten mit einem Endergebnis zwischen drei und fünf Milliarden Euro gerechnet. Die Deutsche Telekom kritisierte die nun erreichte Höhe. Die Auktion hinterlasse einen bitteren Nachgeschmack, sagte ein Sprecher. In anderen Ländern sei deutlich weniger geboten worden. Das Geld für den Erwerb der Frequenzen fehle den Netzbetreibern nun beim Netzaufbau.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, betonte, die Frequenzen sollten nicht nur für 5G verwendet werden, sondern auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Deutschland. "Es liegt nun in der Hand der Unternehmen, die Frequenzen zügig zu nutzen und die damit verknüpften Versorgungsauflagen zu erfüllen." Nach dem Willen der Bonner Behörde müssen etwa bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland, die Autobahnen und die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit schnellen Datenverbindungen versorgt werden. Die Telekomfirmen hatten das scharf kritisiert.

Das große Interesse wurde zum einen auf aggressives Bieten des Debütanten Drillisch zurückgeführt und zum anderen auf die Erwartungen, die mit 5G verknüpft werden. So sollen damit Daten mindestens 100 Mal schneller übertragen werden können als in den aktuellen 4G-Netzen. Bei sehr niedrigen Reaktionszeiten soll die Gefahr von Unterbrechungen während der Übertragung deutlich sinken. Das sind Bedingungen, wie sie für künftige Schlüsseltechnologien nötig sind - etwa das autonome Fahren, virtuelle Realität und Industrie 4.0. Allerdings gibt es auch Befürchtungen über Gesundheitsrisiken.

Experten erwarten, dass mit dem Einstieg von Drillisch in die Frequenzauktion ein Preiskampf auf dem ohnehin schon hart umkämpften Mobilfunkmarkt entbrennt. Dies könnte die Margen der Anbieter belasten. Frühere Versteigerungen haben dem Bund mehrere Milliarden Euro in die Kassen gespült und dauerten drei bis sechs Wochen. Die UMTS-Auktion im Jahr 2000 war mit mehr als 50 Milliarden Euro das bisher teuerste Bieterverfahren.

Reuters, soc

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