13.08.2019 
Aktie 80 Prozent unter Ausgabepreis

Online-Möbelhändler Westwing rutscht in die roten Zahlen

Der bekannte Online-Möbelhändler Westwing hatte im zweiten Quartal mit einem rückläufigen Umsatz zu kämpfen und einen operativen Verlust eingefahren. Die Erlöse gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1 Prozent auf 58 Millionen Euro zurück, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Das schwache Geschäft in Italien sowie Probleme bei der Gewinnung von Neukunden durch Werbung belasteten Westwing , das seit dem vergangenen Jahr an der Börse notiert ist.

Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) rutschte sogar mit minus 5 Millionen Euro in die roten Zahlen. Vor einem Jahr hatte Westwing hier noch einen kleinen operativen Gewinn von einer Million Euro ausgewiesen. Das Unternehmen begründete den Verlust unter anderem mit den Auswirkungen eines verzögerten, aber mittlerweile abgeschlossenen Lagerumzugs, der zu Einmalkosten und Ineffizienzen in der Logistik geführt habe.

Westwing-Gründer und Vorstandschef Stefan Smalla räumte ein, dass die aktuellen Zahlen nicht die Ambitionen des Unternehmens für das Gesamtjahr widerspiegelten. Er zeigte sich für den weiteren Jahresverlauf dennoch zuversichtlich. Westwing gehe davon aus, bis Ende 2019 wieder zu profitablem Wachstum zurückzukehren, sagte er.

Westwing bestätigt herabgesetzte Prognose

Der Online-Möbelhändler hatte im Mai seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt, nachdem das Bruttowarenvolumen für die Monate März und April hinter den Erwartungen des Unternehmens zurückgeblieben war. Diese Prognose bestätigte das Unternehmen nun. Westwing erwartet demnach weiterhin ein Umsatzwachstum von 6 bis 12 Prozent. Das Ebitda soll am unteren Ende der Bandbreite von minus 1 bis plus 1 Prozent liegen.


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Westwing wurde 2011 gegründet und ist laut eigenen Angaben inzwischen in elf europäischen Ländern aktiv. Am Vortag hatte das Unternehmen einen kleineren Aktienrückkauf über bis zu 4 Millionen Euro angekündigt. Damit sollen knapp 4 Prozent der Aktien zurückgekauft werden. Das Unternehmen wurde im Herbst 2018 von Rocket Internet an die Börse gebracht.

Aktie notiert 80 Prozent unter Ausgabepreis

Für die Anleger war der Börsengang ein Flop. Ausgehend vom Emissionspreis in Höhe von 26 Euro ging es um mehr als 80 Prozent auf zuletzt 4,45 Euro nach unten. Allein am Dienstag betrugen die Verluste gut 12 Prozent. Damit kommt das Unternehmen nur noch einen Börsenwert von rund 100 Millionen Euro. Der einstige Großaktionär Rocket Internet hat sich inzwischen komplett zurückgezogen. Der Börsengang spielte seinerzeit 122 Millionen Euro in die Kasse von Rocket.

Westwing und der kurz zuvor an die Börse gebrachte Online-Möbelhändler Home24 sind Extrembeispiele für Kursstürze kurz nach dem IPO. Gerade Internetunternehmen gelingt es besonders leicht, kurzfristig schöne Zahlen zu präsentieren. "Eine Fehlzündung erscheint dann als Rakete", beschreibt der bekannte Internetinvestor Sven Schmidt das Modell. Und ein Rocket-Insider umschreibt es so: "Die Börsengänge laufen wie ein Zaubertrick." (Wie dieser Trick funktioniert, haben wir hier ausführlich für Sie analysiert ).

Größter Anteilseigner ist der schwedische Investor Kinnevik mit einem Anteil von 13,5 Prozent. Mit im Boot sitzen zudem unter anderem der Investmentarm der Tengelmann-Gruppe mit, Tengelman Ventures, und Fidelity mit jeweils rund Prozent.

rei mit dpa-afx

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