09.05.2019 
Familie Haub kopiert das Reimann-Modell

Tengelmann will sein Digital-Gespür zu Geld machen

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Der deutsche Handelskonzern Tengelmann (Kik, Obi) will sein Gespür für lukrative Investments zu Geld machen und seinen Venture Fund künftig auch für externe Investoren öffnen. Nach Unternehmensangaben plant Tengelmann Ventures aktuell die Auflage eines dritten Funds, an dem sich zunächst bis zum ersten Quartal 2020 erstmals auch externe Investoren wie Family Offices oder institutionelle Investoren beteiligen können sollen. Ein Modell, wie es ähnlich, wenn auch in späteren Investitionsphasen, auch die Milliardärsfamilie Reimann mit ihrem JAB-Consumer Fund betreibt.

Für den Handelskonzern, der angesichts des Verschwindens des langjährigen Firmenchefs Karl-Erivan Haub auf einer Skitour 2018, vor großen Herausforderungen steht, ein Versuch, das Erbe des Firmenlenkers erfolgreich weiterzuführen. War dieser doch 2009 als einer der ersten Familienunternehmer in Deutschland größer in das Wagniskapitalgeschäft eingestiegen. Und das im Vergleich zu vielen anderen deutschen Unternehmen recht erfolgreich.

So investierte Tengelmann Ventures unter Führung des noch immer verantwortlichen Geschäftsführers Christian Winter in Unternehmen wie den Onlinemodehändler Zalando, den Lieferdienst Delivery Hero, den schwedischen Payment-Anbieter Klarna und den Fahrdienstvermittler Uber oder die Shopping-App Wish. Insgesamt steckte Tengelmann Ventures Geld in mehr als 55 Unternehmern - zunächst vor allem aus dem Handelssegment, später auch aus anderen Bereichen wie beispielsweise der IT-Infrastruktur oder der Versicherungsbranche.

Mit Erfolg: Seit seiner Gründung vor rund zehn Jahren legte der Wagniskapitalgeber bereits zahlreiche Exits hin. Neben Börsengängen von Investments wie Zalando, Delivery Hero, dem afrikanischen Onlinehändler Jumia oder der Möbelplattform Westwing., gab es auch einige Exits über Übernahmen Dritter. Mit Lazada, Daraz und Data Artisans gingen gleich drei Investments an Alibaba, andere wie Brands4friends an Ebay oder Stylight an ProSieben.

Und mit dem Börsengang von Uber, an dem der Wagniskapitalgeber seit 2015 beteiligt ist, steht schon in wenigen Tagen ein weiterer Kassenschlager bevor. Weitere Exits sollen laut Tengelmann Ventures mittelfristig folgen.

Insgesamt hat der 2009 gegründete Venture-Arm der Tengelmann-Gruppe mit aktuell zwölf Beschäftigten in den beiden Investitionszyklen bis 2019 nach eigenen Angaben rund 400 Millionen Euro investiert. Mit dem ersten von 2009 bis 2014 habe man dabei eine "Rendite in der Spitzengruppe" der Branche erzielt, teilte der Konzern auf Anfrage von manager-magazin.de mit. Die aktuellen Investments bewegten sich" in eine ähnliche Richtung".

Parallel zu Tengelmann Ventures betreibt der Handelskonzern mit Emil Capital Partners einen weiteren, bislang allerdings deutlich kleineren Venture-Arm. Dort seien absehbar keine Änderungen geplant, heißt es.

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