29.01.2019 
Erste Filiale in Leipzig

Russischer Discounter greift mit Niedrigstpreisen an

2. Teil: Zweifel an einem deutschen Markt für Ultra-Billig-Angebote

Für den Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf ist es kein Zufall, dass die erste Filiale des russischen Discounters in Ostdeutschland eröffnet. "Ich glaube, dass es eine Kundschaft in manchen Regionen Deutschland für einen solchen Discouter gibt." Die Kaufkraft sei in Ostdeutschland teils geringer und es gebe mehr günstige Flächen als im Süden oder Westen Deutschlands. Auch über die wenig anmutende Ausstattung werde der Kunde hinwegsehen, wenn die Preise günstiger sind, ist Fasnacht überzeugt.

Um als Discounter in dieser Branche erfolgreich zu sein, brauche man aber Masse, viele Filialen und eine große Nachfrage, um auch mit den Herstellern über niedrige Preise zu verhandeln. "Selbst 100 Filialen reichen nicht aus, um erfolgreich sein zu können", sagt der Experte. Die Süddeutsche Zeitung will erfahren haben, dass die TS-Markt GmbH bis zu 100 Filialen in Ost- und Norddeutschland plane.

Geringere Kaufkraft und günstigere Flächen sprechen für Ostdeutschland

Es ist nicht der erste Anlauf eines ausländischen Einzelhändlers den anspruchsvollen deutschen Markt zu erobern. Nicht nur der US-Konzern Wal-Mart hat bei dem Versuch in Deutschland ein Debakel erlebt. Auch die französische Intermarché-Gruppe zog 2006 einen Schlussstrich unter ihr verlustreiches Deutschland-Engagement und verkaufte die Handelskette Spar an Edeka.

Ob es einen ausreichenden Markt für Ultra-Billig-Angebote in Deutschland gibt, ist durchaus zweifelhaft. Real ist jedenfalls mit dem Versuch gescheitert, eine Billigmarke "Ohne Schnickschnack. Ohne teuer" einzuführen, deren erklärtes Ziel es war, die etablierten Discounter preislich zu unterbieten.

Das Unternehmen hatte damals argumentiert, die Discounter hätten ihre Qualität immer weiter nach oben geschraubt, so dass darunter wieder Raum sei. Doch funktioniert hat es offenbar nicht. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt still und leise eingestellt.

Wal-Mart und Intermarché gaben bereits auf

Ob es nun dem russischen Discounter Torgservis gelingt, bleibt abzuwarten. "Ich gehe davon aus, dass Aldi und Lidl den Start beobachten", sagt Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der "Lebensmittel Zeitung". Die Branchenriesen könnten akzeptieren, wenn der Konkurrent günstiger bei geringerer Qualität wäre. "Wird aber jemand günstiger bei vergleichbarer Qualität, werden die Marktführer vehement zurückschlagen", ist Queck überzeugt.

Zum Start sucht das russische Unternehmen noch Mitarbeiter für seine Leipziger Filiale. So hängt an der Fensterfront ein Zettel auf dem Verkäufer/innen für die Kasse sowie die Regalpflege und das Einräumen der Ware gesucht werden. Gleichzeitig wird auf der Homepage des Unternehmens ein Leiter für eine weitere Filiale in Zwickau gesucht. Das Unternehmen beantwortet entsprechende Anfragen aber nicht.

rei/dpa

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