12.02.2019 
JAB stockt beim Kosmetikriesen Coty auf

Warum der Reimann-Clan für Coty ins Risiko geht

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Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann will ihren Anteil am US-Kosmetikkonzern Coty aufstocken und so die Mehrheit übernehmen. Das ist nicht ohne Risiko.

Es müsse nicht immer alles ein grandioser Erfolg sein, gab JAB-Chef Peter Harf im Sommer vergangenen Jahres in einem Interview mit manager magazin zu Protokoll. "Hauptsache, man begrenzt den Schaden rechtzeitig und lernt aus den Fehlern." Das Engagement bei Coty fällt für den Vertrauten der deutschen Milliardärsfamilie Reimann, der damals über seine Investments im Luxusbereich sprach, offenbar nicht in diese Kategorie. Am Dienstag kündigte die von Harf mitgeführte Familienholding JAB an, ihren Anteil an dem US-Kosmetikkonzern aufstocken und so die Mehrheit übernehmen zu wollen.

Bis zu 150 Millionen Coty-Aktien zusätzlich will die Familie über ein Investmentvehikel erwerben - für 11,65 Dollar je Papier. Damit könnte sich der Zukauf auf bis zu 1,75 Milliarden Dollar (1,55 Milliarden Euro) belaufen. Mindestens - so die Bedingungen des Angebotes - will JAB 50 Millionen Aktien kaufen und den Anteil damit auf etwa 47 Prozent hochschrauben. An den US-Börsen legte die Aktie von Coty daraufhin zweistellig zu.


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Aktuell hält JAB bereits rund 40 Prozent an Coty, einem Hersteller von Kosmetika und Parfums von Marken wie Calvin Klein, Wella oder Gucci. Doch die haben dem Milliardärs-Clan zuletzt wenig Freude bereitet. Die Aktie des Kosmetik- und Parfumherstellers, der vor drei Jahren angekündigt hatte, für umgerechnet 11,3 Milliarden Euro die Wella-Haarpflegeprodukte und andere Marken von Procter & Gamble (P&G) zu übernehmen, hatte in den vergangenen Jahren einen massiven Einbruch erlebt.

Die Eingliederung des Wella-Sortiments und anderer P&G-Marken erwies sich als äußerst mühsam und teuer. Auch das Massengeschäft mit Drogerien, das 41 Prozent der Coty-Erlöse ausmacht, lief zuletzt nicht mehr so gut. Einst etablierte Marken wie Astor oder Max Factor verloren angesichts jüngerer, hipper Konkurrenz Marktanteile. Notierte die Aktie Anfang Februar 2016 noch bei knapp 25 Euro, hat sie mittlerweile mehr als zwei Drittel ihres Wertes verloren. Allein im Jahr 2018 gab das Papier fast 70 Prozent ab. Anfang Februar verkündete Coty für das zweite Geschäftsquartal einen Nettoverlust von 960 Millionen Dollar.

Den Glauben an das Geschäft von Coty, dessen Wertverlust zuletzt sogar JAB ins Minus getrieben hatte, hat Peter Harf indes offenbar nicht verloren. Er hält an den lange gehegten Plänen fest, die Mehrheit zu übernehmen. Schon in den vergangenen Jahren kaufte die Familienholding weiter zu. Der steuersparenden P&G-Deal beschränkte allerdings die Größenordnung der Zukäufe.

Seit Oktober hat Harf nun freie Bahn - nutzt den vergleichsweise günstigen Preis und sucht bei Coty die Flucht nach vorne. Und nimmt dafür sogar in Kauf, dass das Rating der Familienholding weiter absinkt. So senkte S&P am Dienstag nach Bekanntgabe des Übernahmeangebots den Ausblick für JAB von stabil auf negativ. Und bekräftigte gleichzeitig seine Bewertung von A- für die Familienholding.

Harf dürfte genau wissen, worauf er sich einlässt. Hat er doch erst im November selbst den Aufsichtsratsposten bei Coty übernommen - und mit Pierre Laubies einen JAB-Veteranen als CEO eingesetzt, der bei der Zusammenführung der Kaffee-Units von Mondelez und Douwe Egberts bereits gezeigt hat, dass er Integration kann.

Jetzt muss Harfs Plan für einen Wiederaufstieg Cotys auch am Aktienmarkt nur noch aufgehen. Die Wette - mit ziemlich hohem Einsatz - läuft.

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