14.02.2020 
Tumulte und Böller vor Hauptversammlung

Metro-Chef spricht von "Schmerzen", Real-Beschäftigte von "geklauter Zukunft"

Im Saal begrüßt Metro-Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann die Aktionäre, draußen demonstrieren Hunderte von Beschäftigten der Supermarktkette Real. Sie skandieren: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" und fordern auf Transparenten "Wir wollen in sichere Hände". Die Hauptversammlung des Handelsriesen am Freitag in Düsseldorf wird von erheblichen Protesten der Real-Mitarbeiter begleitet.

"Wir wissen immer noch nicht, wie es mit uns weitergeht", klagt eine Beschäftigte aus Dortmund. Der Handelsriese will die Kette mit ihren rund 34.000 Beschäftigten an ein Konsortium um den Investor SCP Group verkaufen. Die Beteiligten haben eine "kommerzielle Einigung über den Verkauf" erzielt, noch sind die Verträge aber nicht unterzeichnet.

Vertreter der Arbeitnehmer fürchten eine Zerschlagung der Kette. Schätzungen, dass rund 10.000 Arbeitsplätze gefährdet seien, wie es der Konzernbetriebsrat befürchtet, seien realistisch, sagt Verdi-Vertreter Orhan Akman.

Metro-Chef Olaf Koch hat Real zum Verkauf gestellt, um den Handelsriesen auf das Geschäft rund um den Großhandel zu konzentrieren. Das sei mit "schmerzhaften Weichenstellungen" verbunden, räumt er vor den Aktionären ein.

"Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" - dann knallen Böller

Draußen skandieren sie: "Wir wollen den Olaf sehen." Vereinzelt krachen Böller. "Beim heutigen Streik geht es um die Existenzen der Menschen und auch darum, der Erosion der Tarifbindung im Handel endlich einen Riegel vorzuschieben", sagt Verdi-Mann Akman. "Wir schließen das Kapitel des Konglomerates", ruft Koch drinnen den Aktionären zu. "Es ist eine schmerzhafte Entscheidung, auch eine, die mich persönlich schmerzt."

Koch hatte nach langem Tauziehen zuvor eine grundsätzliche Einigung mit dem Investoren-Konsortium aus SCP Group und X+Bricks verkündet. Diese sollen die Kette mit etwa 270 Märkten komplett übernehmen. Letzte offene Fragen sollten bald geklärt werden, bis zum Auftakt des Aktionärstreffens gelang dies aber noch nicht. Das soll sich aber bald ändern. "Die Teams sitzen beim Notar", sagte Koch. Es gebe noch einen "Gremienvorbehalt" bei der SCP Group mit Blick auf die Transaktion. Eine Übereinkunft sei im Prinzip abgeschlossen. Er gehe weiter von einer Vereinbarung aus und erwarte, dass der Vorbehalt auf Seiten der Gremien bei SCP in der kommenden Woche aufgelöst werden könne.

In die Kassen des Düsseldorfer Konzerns sollen bei Vollzug der Transaktion rund 300 Millionen Euro fließen, rund 200 Millionen Euro weniger als ursprünglich angekündigt. Koch zufolge ist ein Grund dafür die schlechte Geschäftsentwicklung der kriselnden Supermarktkette.

Metro nimmt wohl 100 Millionen Euro weniger ein

Der Löwenanteil der Filialen soll nach der Übernahme durch die Investoren an Wettbewerber wie Kaufland, Edeka oder Rewe gehen. Die Übereinkunft sehe aber vor, dass die Investoren einen Kern von rund 50 Filialen für mindestens zwei Jahre erhalten, hat Koch angekündigt. Weniger als 30 Filialen stünden vor dem endgültigen Aus.

"Wir sind keine Artikel, die im Regal liegen und einfach verkauft werden können", sagte dagegen Andreas Stegemann, der in der Düsseldorfer Zentrale dabei hilft, die Real-Geschäfte zu steuern und der auch demonstrierte. "Gruß an Koch, wir sind die Vorhut, der Sturm kommt."

Der Metro-Chef hatte Real vor mehr als einem Jahr ins Schaufenster gestellt. Die Supermarktkette passt nicht zu seiner Strategie, den Konzern auf das Geschäft rund um den Großhandel zu konzentrieren. Dazu hatte er im weit verzweigten Metro-Reich aufgeräumt, die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn wurden abgespalten, der Warenhauskonzern Kaufhof verkauft.

Verkauf des China-Geschäfts jetzt unter Dach und Fach

Auch vom China-Geschäft trennt sich Metro. Der Vertrag zum Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an eine Tochter des chinesischen Einzelhändlers Wumart sei unterzeichnet. Mehr als 1,5 Milliarden Euro sollen aus den beiden Verkäufen insgesamt in die Kassen des Düsseldorfer Konzern fließen. Metro wolle Geld in das Großhandelsgeschäft investieren und auch Zukäufe stemmen, kündigte Koch an.

rei/dpa/Reuters

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