02.08.2019 
Kanadier lassen Phantomaktien-Programm platzen

Ex-Eigner HBC verweigert Kaufhof-Beschäftigten Millionenbetrag

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Pustekuchen. So kann man die Nachricht, die Tausende Kaufhof-Mitarbeiter in diesen Tagen aus dem fernen Kanada erhielten, wohl auf gut Deutsch am besten übersetzen. Absender dieser Botschaft ist die Hudson's Bay Company (HBC), die die Warenhauskette Kaufhof 2015 übernommen hatte, und die bis vor einem knappen Jahr noch die Mehrheit am deutschen Traditionsunternehmen besaß.

Warum Pustekuchen? Schon kurz nach der Übernahme, nämlich im Sommer 2016, hatten die Kanadier nach Informationen von manager magazin etwa 18.000 Kaufhof-Mitarbeitern virtuelle Anteile an HBC, sogenannte Phantomaktien, versprochen. Die Zusage dabei: Nach Ablauf von drei Jahren sollten die Kaufhof-Leute, die je nach Position im Unternehmen jeweils fünf bis 20 solcher "Phantomaktien" erhielten, diese Anteile in echte HBC-Aktien oder bares Geld eintauschen können. Das wäre im Sommer dieses Jahres gewesen. Der Wert sollte sich dabei am aktuellen Kurs der HBC-Aktie an der Börse in Toronto bemessen.

Aber daraus wird nun nichts. Wie Kaufhof seinen Mitarbeitern mitgeteilt hat, will HBC die einstige Zusage nicht mehr einhalten. Nachdem Kaufhof in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sei, habe HBC erklärt, die Aktien nicht auszahlen zu wollen, sagte Kaufhof-Finanzchef Guido Mager den Mitarbeitern laut interner Mitteilung. Er finde das "sehr bedauerlich". Weder Kaufhof noch HBC äußerten sich auf Anfrage des manager magazin.

Bedauerlich dürften es auch die rund 18.000 Kaufhof-Angestellten finden, die von dem HBC-Rückzieher betroffen sind. "Eine traurige Nachricht mehr", sagte einer von ihnen zu manager magazin. Für die Kaufhof-Mitarbeiter geht es bei den Phantomaktien zwar nicht um sehr viel Geld. In der ohnehin an Rückschlägen und Enttäuschungen reichen jüngeren Vergangenheit des Hauses ist es jedoch ein weiterer Dämpfer, der schmerzt.

Rund 16 kanadische Dollar (etwa elf Euro) kostete eine HBC-Aktie Mitte 2016, als das Unternehmen die Zusage machte. Inzwischen ist der Kurs auf rund 9,80 kanadische Dollar gefallen. Pro Kaufhof-Mitarbeiter geht es also selbst im Höchstfall lediglich um vergleichsweise bescheidene rund 200 kanadische Dollar (oder umgerechnet 136 Euro). Und auch in der Summe handelt es sich überschlägig gerechnet nur um einen niedrigen Millionenbetrag - allerdings befindet sich HBC gegenwärtig selbst in schwieriger Lage. Zuletzt fuhr das Unternehmen Verluste ein.

Zum Hintergrund: "Phantomaktien" sind ein vor allem in der Start-up-Welt genutztes Mittel, mit dem Mitarbeiter am Erfolg von Unternehmen beteiligt werden können. Der Kniff liegt dabei darin, dass zunächst keine echten Unternehmensanteile übertragen werden. Stattdessen erhalten die Begünstigten eine virtuelle Beteiligung, die in der Regel vertraglich festgehalten wird, versehen mit einem späteren Zeitpunkt der Umwandlung oder Auszahlung.

Jahrelanges Missmanagement - unter anderem durch HBC

Ein Grund für diesen Umweg liegt in der steuerlichen Behandlung: Bei Ausgabe echter Geschäftsanteile würden die Mitarbeiter in der Regel sofort vom Fiskus zur Kasse gebeten. Das wäre misslich, denn die Beteiligung bestünde ja zunächst lediglich auf dem Papier und wäre nicht mit realen Geldflüssen aus dem Unternehmen verbunden.

Bei Phantomaktien dagegen existiert bis zum Moment der Auszahlung faktisch keine Beteiligung, die eine solche Steuerpflicht auslösen könnte. Erst im Augenblick der Auszahlung kann auch das Finanzamt Ansprüche anmelden - die vom Mitarbeiter dann durch tatsächlich erhaltene Gelder beglichen werden können.

Bei HBC firmiert das Phantomaktien-Programm unter dem Motto "Making Everyone an Owner". In einem Schreiben, das manager magazin vorliegt, hatten Konzernchef Richard Baker sowie CEO Jerry Storch den Kaufhof-Leuten 2016 mit großen Worten ("Mit Stolz geben wir bekannt ...") mitgeteilt, dass sie künftig an dem Programm teilhaben würden. "Wir hoffen, dass Sie sich freuen, ein 'Eigentümer' der Hudson's Bay Company zu sein", so Baker und Storch. Mit "unermüdlichem Engagement" und "tatkräftiger Mithilfe", schrieben die beiden Manager, sollte die HBC-Erfolgsgeschichte auch in Zukunft fortgeschrieben werden.

Tatsächlich gelang den Kanadiern nicht viel von dem, was sie sich beim Einstieg 2015 vorgenommen hatten. HBC-Chef Baker und Co. waren mit großen Ambitionen, aber auch ein wenig großspurig angetreten und letztlich grandios gescheitert. Unterm Strich brachte Kaufhof ihnen vor allem Verluste ein.

Für die Kaufhof-Mitarbeiter ist der Phantomaktien-Flop insofern nur ein weiterer Mosaikstein in dem frustrierenden Bild, das ihr Arbeitgeber beziehungsweise dessen Muttergesellschaft seit Jahren abgibt. Die Warenhauskette, die gegenwärtig mit dem Konkurrenten Karstadt zu einem Kaufhausriesen fusioniert wird, steckt schon beinahe chronisch in der Krise, verursacht durch jahrelanges Missmanagement - unter anderem durch HBC - sowie die rasant wachsende Konkurrenz durch Amazon und andere Online-Händler.

Momentan steht bereits der nächste schmerzliche Einschnitt bevor: Die Signa-Gruppe des österreichischen Milliardärs und Unternehmers René Benko, die bei den beiden großen deutschen Kaufhausunternehmen seit Kurzem das Sagen hat, plant eine harte Sanierung mit Stellenabbau, etwa 2600 Arbeitsplätze fallen weg.

Benko hatte vor Jahren bereits die Macht bei Karstadt übernommen, nachdem der Immobilieninvestor und Kunstsammler Nicolas Berggruen an dem Versuch, das Unternehmen auf Vordermann zu bringen, kläglich gescheitert war. 2018 erwarb Benko dann die Mehrheit bei Kaufhof, wo er gegenwärtig dabei ist, HBC auch deren restliche Anteile abzukaufen.

Bis Herbst will Benko den Kauf der verbleibenden 49,9 Prozent an Kaufhof unter Dach und Fach haben, dann sollen auch die Wettbewerbsbehörden zugestimmt haben. Wenn HBC dann komplett aus dem Unternehmen verschwunden ist, können die Kaufhof-Leute abschließend noch einmal auf die Zeit mit den Kanadiern zurückblicken und Bilanz ziehen. Das Fazit lautet dann vermutlich: Nichts als Pustekuchen.

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