12.08.2019 
Büros, Logistik, Gastronomie

Warum auf deutschen Einkaufsmeilen nichts bleiben wird, wie es ist

Von
imago images / Marco Stepniak

4. Teil: Mischnutzung: Zwei Fliegen mit einer Klappe

Und neben Co-Working denken viele Händler mittlerweile auch über Co-Cooking nach: Großküchen, die Restaurants für ihre Außer-Haus-Lieferungen anmieten können. Gerne auch innenstadtnah - schön nah am Kunden.

Besonderer Beliebtheit erfreuten sich bei klassischen Handelsimmobilien aktuell auch Ankermieter aus dem Lebensmitteleinzelhandel, sagt Bernhard Schoofs, Geschäftsführer des Einzelhandelsimmobilien-Spezialisten Momentum Real Estate. Der Grund: Hier wird die Konkurrenz aus dem Internet noch als vergleichsweise gering eingeschätzt. Zudem werde unabhängig vom konkreten Nutzungsmix "großer Wert auf langfristige Mietlaufzeiten gelegt, da große Unsicherheit hinsichtlich der Entwicklung der kommenden Jahre herrscht", so Schoofs.

Zwar ist ein Umbau nicht immer möglich - und auch nicht an jedem Standort sinnvoll. Doch Vermietern mit Umnutzungsplänen spielt ein weiterer Trend in die Hände: Der zum Coworking. Weil dabei oft auch in größeren Gemeinschaftsräumen gearbeitet wird, und nicht jedes einzelne Zellenbüro, wie es in klassischen Büroimmobilien verbreitet ist, mit Tageslicht versorgt werden muss, bieten sich Handelsimmobilien hier für einen Umbau eher an. Hier können innenliegende Räume oft gut als Ruhe oder Konferenzräume genutzt werden, da sich die Nutzer nur einen überschaubaren Zeitraum darin aufhalten.

Einen Vorteil, den auch der Coworking-Riese The WeCompany, vormals WeWork, für sich zu nutzen weiß. Er hat sich mit der ehemaligen Kaufhof-Mutter HBC zusammengetan, um das Potenzial der traditioneller Handelsimmobilen zu nutzen und will die ehemalige Kaufhaus-Mutter zusammen mit dessen Chairman Richard Baker von der Börse nehmen. Eine Blaupause, wie das aussehen kann, soll das ehemalige Lord-&-Taylor Flagship-Store an der 5th Avenue in New York werden, das aktuell umgebaut wird.

Die beiden untersten Etagen des vom Architekt Bjarke Ingels umgestalteten Gebäudes sollen dabei auch weiterhin für den Handel reserviert bleiben. Die übrigen - samt der legendären Dachterasse von Wework und seinen Coworking-Kunden aus unterschiedlichsten Branchen genutzt werden.

WeCompany-Chef Adam Neumann ist von den sich bietenden Möglichkeiten schwer begeistert. "Der Handel verändert sich und die Rolle, die Immobilien dabei spielen, wie wir einkaufen, muss sich mitändern", sagt Neumann. Die Gelegenheit diesen Trend zu erschließen, sei "zu gut, um sie zu verpassen."

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