25.09.2018 
Von der Nothochzeit zum Amazon-Herausforderer

So wird die Karstadt-Kaufhof-Fusion eine Erfolgsstory

Ein Gastkommentar von Dirk Boventer

Viele halten den Zusammenschluss der ewigen Rivalen Karstadt und Kaufhof für das letzte Aufbäumen der Warenhäuser vor ihrem Untergang. Doch das muss nicht so kommen. Vier Schritte, um aus zwei angeschlagenen Unternehmen einen Champion zu machen, der es mit Amazon, Zalando & Co. aufnehmen kann.

Dirk Boventer
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    Dirk Boventer ist Direktor und Leiter der Praxisgruppe Konsumgüter & Handel beim Interim-Management-Anbieter Atreus in München.

Man kann es durchaus als Meilenstein der deutschen Einzelhandelsgeschichte bezeichnen: Durch die Fusion von Karstadt und Kaufhof entsteht - sollte das Bundeskartellamt zustimmen - der zweitgrößte europäische Warenhauskonzern. Nur das spanische Unternehmen El Corte Inglés ist dann noch größer. Der Zusammenschluss ist unvermeidbar und die letzte Chance für das Warenhaus in Deutschland. Der Neustart kann gelingen - wenn das neue Unternehmen an den richtigen Stellschrauben dreht.

1. Installiert eine klare Führung

Der erste und wichtigste Schritt ist ein kompetentes und stabiles Management. Auf der Führungsebene muss es sofort passen - man hat dort schlicht und ergreifend keine Zeit, um zusammenzuwachsen. Der Konsument wartet auf wahrnehmbare Änderungen im Auftritt der Kaufhäuser am Markt, für langwierige Führungsdiskussionen ist keine Zeit. Karstadt-Chef Stephan Fanderl ist der richtige Mann, um den wankenden Riesen wieder auf Kurs zu bringen. Er zeichnet sich durch Führungsstärke aus, ist sturmerprobt und widerstandsfähig. Fanderl hat bei Karstadt einen harten Sanierungskurs gefahren und den Warenhauskonzern allen Widrigkeiten zum Trotz wieder zurück in die Spur gebracht. Darüber hinaus hat er einen hervorragenden Draht zur Konzernmutter Signa Holding. Unter seiner Führung kann der Turnaround gelingen.

2. Holt externe Kooperationspartner an Bord

Oberstes Ziel des Neustarts muss es sein, wieder mehr Frequenz in den Warenhäusern zu schaffen. Entscheidend dafür ist das Warenangebot und dessen Präsentation. Dabei müssen sich die Standorte in Großstädten von den Kategorien her anders aufstellen als in mittelgroßen Städten. Für Großstadtlagen macht die KaDeWe-Gruppe vor, wie es geht: eine erlebnisreiche Präsentation fokussierter Warengruppen in Kooperation mit bekannten Markenherstellern. Prominente deutsche Haushaltswarenhersteller wie Zwilling, WMF oder Fissler suchen noch nach stationärer Fläche und könnten sich als frequenzbringende Untermieter auf der Verkaufsfläche erweisen.

Deutlich anspruchsvoller gestaltet sich das Geschäft mit Textilien. Mode funktioniert im Format der europäischen Filialen der HBC-Outlet-Kette Saks Off 5th nicht. Ein solches Premium-Outlet-Konzept sucht in Städten wie Düsseldorf, Frankfurt oder Stuttgart niemand. Sehr wohl funktionieren können aber Textilkategorien wie Dessous, eine Spezialisierung auf Outdoorbekleidung sowie umsatz- und margenträchtige Schuhe. In der Kategorie Parfümerie und Kosmetik sollte eine vertiefende Zusammenarbeit und Expansion mit der französischen Kosmetikkette Sephora angestrebt werden. Entscheidend ist der richtige Mix von Präsentation, Erlebnis und der relevanten Marken.

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