14.08.2019 
Gewerkschaft stellt Bedingungen für Verhandlungen bei Karstadt Kaufhof

Verdi bietet Warenhaus-Zar Benko die Stirn

Viel zu lachen haben die Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof derzeit nicht. Ihr neuer Eigentümer, der österreichische Investor René Benko, der erst Karstadt und dann die Mehrheit von Kaufhof übernommen hatte, will bei Kaufhof 2600 Vollzeitstellen streichen - der Abschied aus der Tarifbindung ist ohnehin bereits vollzogen. Und die Beschäftigten müssen sich auf weitere Einschnitte einstellen, sollte die Gewerkschaft Verdi im Streit um die Gehälter den Eigentümern das Leben erschweren.

Genau das aber kündigt Verdi jetzt an - stellt zahlreiche Bedingungen für die Aufnahme von Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag. So soll sich das Unternehmen verbindlich zur Rückkehr in den Flächentarifvertrag verpflichten. "Die Beschäftigen lassen sich nicht einfach die Pistole auf die Brust setzen. Und sie wollen wissen, dass sich ihre Investitionen in das Unternehmen auch auszahlen", sagte Verdi-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel, Orhan Akman, am Dienstag.

Verdi verlangt Standort- und Beschäftigungsgarantien sowie Investitionszusagen von Warenhaus-Eigentümer René Benko. Einen Eingriff in die aktuellen Vergütungen der Kaufhof-Beschäftigten lehnt die Gewerkschaft dagegen ab und fordert stattdessen deutliche Tarifsteigerungen für die Karstadt-Mitarbeiter. Eine tarifliche Lösung soll außerdem nicht nur für Kaufhof und Karstadt gelten, sondern auch für die Tochterunternehmen Karstadt Sports und Karstadt Feinkost.

Drohung: Mehr für Karstadt-Beschäftigte, weniger für Kaufhof-Angestellte

Die Führungsspitze von Karstadt-Kaufhof hatte dagegen erst vor kurzem die Forderung nach einem auf "die speziellen Bedürfnisse der Warenhäuser zugeschnittenen gemeinsamen Warenhaustarifvertrag" bekräftigt. Sie dringt auf eine rasche Angleichung der Bezahlung bei Kaufhof und Karstadt, was konkret mehr Geld für Karstadt-Beschäftige, aber weniger für Kaufhof-Mitarbeiter bedeuten würde.

Sollte es nicht zur Einigung mit Verdi kommen, droht die Konzernspitze mit einem rechtlichen Zusammenschluss der Unternehmen, sodass der Karstadt-Sanierungstarifvertrag für alle Mitarbeiter gelten würde. Das würde automatisch eine rund elfprozentige Entgeltabsenkung für alle Kaufhof-Mitarbeiter bewirken, so der Konzern.


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Wie angespannt die Situation derzeit ist, verdeutlichte Anfang Juli auch die Drohung der Warenhauskonzerns gegen die Gewerkschaft: Verdi hatte die Beschäftigten von Kaufhof und Karstadt in diesem Jahr zu Streiks aufgerufen. Personal- und Finanzchef Miguel Müllenbach hatte daraufhin erklärt, die Gewerkschaft mit Schadensersatzforderungen zu überziehen, wie er im Interview mit dem "Handelsblatt" sagte.

rei mit dpa

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