16.03.2012 
Kein Verkauf

Douglas will Thalia behalten

Seit die Gründerfamilie Kreke angekündigt hat, Douglas eventuell von der Börse zu nehmen, reißen die Spekulationen über einen Verkauf der Buchtochter Thalia nicht ab. Nun hat sich der Handelskonzern erstmals öffentlich zu seinem Sorgenkind bekannt. Allerdings drohen Filialschließungen.

Hagen - Ein Verkauf von Thalia werde nicht angestrebt, teilte Douglas mit. Vielmehr wolle das Management die Neuausrichtung der Tochter in Eigenregie vorantreiben. Die Pläne dafür seien dem Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am Mittwoch vorgestellt worden.

Douglas reagierte mit seiner Mitteilung auf seit Monaten brodelnde Gerüchte. Seit im Januar die Gründerfamilie Kreke mitgeteilte hatte, sie überlege, den Konzern im Schulterschluss mit Finanzinvestoren von der Börse zu nehmen, wird über die Zukunft des Traditionsunternehmens spekuliert.

Thalia hat wie auch andere Buchhändler in Deutschland mit der Konkurrenz mächtiger Onlinehändler wie Amazon zu kämpfen. Das Unternehmen verliert Kunden und konnte zuletzt seine Kapitalkosten nicht mehr verdienen. Das Douglas-Management will nun Filialen verkleinern oder schließen und das eigene Onlineangebot stärken. Auch Zusatzsortimente wie Geschenkartikel oder Spielwaren sollen die Kunden locken.

15 Filialen vor dem Aus

Nach Informationen des "Hamburger Abendblatt" stehen rund 15 der mehr als 300 Filialen vor dem Aus. Die Zeitung beruft sich auf ein Schreiben an die Mitarbeiter, das ihr vorliegt. "Überall dort, wo das wichtigste Kriterium, dass jede Filiale rentabel arbeiten muss, auf absehbare Zeit nicht zu erfüllen ist und wir dauerhafte Verluste verursachen, müssen wir eine Schließung in Betracht ziehen", heiße es darin. Der Sparplan könne teilweise auch personelle Konsequenzen zur Folge haben, sagte eine Thalia-Sprecherin der Zeitung. Die Buchgruppe beschäftigt gut 5200 Mitarbeiter, knapp 4000 davon in Deutschland.

Am Finanzmarkt war spekuliert worden, Thalia könnte wie auch die Töchter Hussel (Süßwaren) und AppelrathCüpper (Mode) verkauft werden. Übrig bleiben würden dann nur die beiden ertragsstarken Parfümerien und die Schmuckkette Christ. Dass es zumindest Anfragen für Thalia von Interessenten gegeben hat, räumte Douglas inzwischen ein. Auch das manager magazin hatte darüber berichtet. Der Vorstand habe auch künftig die Pflicht, selbige zu prüfen, hieß es.

Zu den Sondierungen der Familie Kreke, den Konzern zu übernehmen und in Privathand zu führen, gibt es Douglas zufolge keinen neuen Stand. Wann oder ob es überhaupt zu einer Transaktion komme, sei weiterhin absolut offen.

Ein solches Vorhaben könnte ohnehin an anderen Aktionären wie dem Drogerieunternehmer Erwin Müller scheitern. Dieser hat die Option, seinen Anteil von derzeit gut 10 auf über 25 Prozent auszubauen und hätte dann eine Sperrminorität. Ob Müller dies tun wird ist unklar. Der Unternehmer hatte angekündigt, sich bis zur Hauptversammlung nicht öffentlich zu seinen Plänen äußern zu wollen. Das Aktionärstreffen findet am 21. März in Essen statt.

mg/dpa-afx

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