06.02.2019 
Klaus Schäfer und Christopher Delbrück gehen

Uniper opfert Vorstands- und Finanzchef für Neuanfang mit Fortum

Der größte Widersacher geht: Uniper-Vorstandschef Klaus Schäfer gibt den Kampf gegen Fortum auf. Uniper opfert für einen Neuanfang mit dem Großaktionär auch gleich seinen Finanzchef. Neuer starker Mann wird Aufsichtsratschef Reutersberg. Übernehmen die Finnen jetzt doch noch die Mehrheit an Uniper?

Der vom finnischen Versorger und Großaktionär Fortum ins Visier genommene Energiekonzern Uniper verliert mit Vorstandschef Klaus Schäfer seinen größten Streiter für die Unabhängigkeit. Der an Krebs erkrankte Manager werde wie auch Finanzvorstand Christopher Delbrück Ende August ausscheiden, teilte der Versorger am Dienstagabend mit.

Schäfer hatte bis zu seinem Abtritt erbittert gegen eine Übernahme des Konzerns mit rund 12.000 Mitarbeitern durch Fortum gekämpft. Neuer starker Mann bei Uniper wird Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg. Er stimme mit Fortum überein, die Zusammenarbeit neu aufzustellen. Denn konkrete Ergebnisse, wie die gemeinsame Zukunft von Fortum und Uniper aussehen solle, hätten unter der bisherigen Führung nicht erarbeitet werden können.

"Mit Fortums Aufsichtsratsvorsitzendem Matti Lievonen und CEO Pekka Lundmark bin ich mir einig, dass es ein 'weiter so' nicht geben kann." Ziel sei es, ergebnisoffen die Inhalte einer strategischen Partnerschaft zu diskutieren, um Mehrwert für alle Aktionäre zu schaffen." Dazu werde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, der aufseiten Unipers die Vorstände Eckhardt Rümmler und Keith Martin angehörten.

Konzerne wollen neues Kapital aufschlagen

Die Finnen hatten ihre Beteiligung kürzlich auf knapp unter 50 Prozent erhöht. Fortum-Chef Lundmark hatte zuvor die Annäherung der beiden Konzerne als unzureichend kritisiert. "Wir freuen uns, dass sich Uniper für einen Neubeginn ausgesprochen hat und diesen mit dem erklärten Ziel verbindet, ernsthaft die Möglichkeiten strategischer und operativer Zusammenarbeit der beiden Unternehmen zu prüfen", betonte er nun.


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Schäfer hatte im vergangenen Jahr wegen seiner Erkrankung mit einer Auszeit begonnen. "Aufgrund meiner Krebserkrankung wäre ich nicht in der Lage, mich dem anstehenden Aufbau einer strategischen Kooperation mit Fortum zu widmen, diesen Prozess mit voller Kraft begleiten und unterstützen zu können", erklärte er jetzt. Er wolle den Weg frei machen für jemanden, "der sich mit ganzer Kraft dieser Aufgabe widmen und der gleichzeitig unvorbelastet in einen solchen Prozess starten kann".

Schäfer sah Fortum als "Wolf im Schafspelz"

Schäfer und Delbrück hatten die zunächst als Resterampe verschriene ehemalige Eon-Kraftwerkstochter nach der Abspaltung vom Mutterkonzern 2016 erfolgreich am Markt etabliert. Damit wurde der Düsseldorfer Konzern zum Objekt der Begierde in der europäischen Versorgerbranche, zumal Eon-Chef Johannes Teyssen früh ankündigte, sich von der Restbeteiligung von rund 47 Prozent auch zu trennen.

Fortum schlug für 3,8 Milliarden Euro zu, wodurch Schäfer die Unabhängigkeit des Unternehmens bedroht sah. Er hatte auf einen breit gestreuten Verkauf der Anteile gehofft. In einem Reuters-Interview bezeichnete er Fortum im September 2017 als "Wolf im Schafspelz" und sprach von einem "feindlichen Vorstoß".

Übernehmen die Finnen jetzt doch noch die Mehrheit?

Der nun angekündigte Rückzug dürfte Spekulationen nähren, dass die Finnen doch noch die Mehrheit übernehmen könnten. Bislang ist diese ihnen verwehrt. Für eine Übernahme der Mehrheit müsste Fortum indes eine Lösung für die Blockade in Russland finden. Die Behörden dort hatten Fortum untersagt, mehr als 50 Prozent der Anteile zu erwerben.

Uniper betreibt mehrere Kraftwerke in Russland, wozu auch eine als strategisch wichtig betrachtete Anlage zur Trinkwasseraufbereitung gehört. Neben Fortum, die ihre Beteiligung auf 49,99 Prozent angehoben haben, spielt der US-Hedgefonds Elliott eine Schlüsselrolle. Elliott hielt nach letzten Angaben 16,51 Prozent an Uniper.

rei/Reuters

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