28.08.2018 
Neuer Wirbel um Saudi Aramco

König soll Mega-Börsengang persönlich gekippt haben

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Es sollte der größte Börsengang der Geschichte werden. Mit dem Verkauf von fünf Prozent der Anteile des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco wollte Saudi-Arabiens starker Mann Mohammed bin Salman Börsengeschichte schreiben - und die eigene Wirtschaft unabhängiger vom Öl machen. Mittlerweile erscheint das Mammutprojekt allerdings immer unwahrscheinlicher: In der vergangenen Woche hatte "Reuters" berichtet, der IPO sei abgesagt. Nun legt die Nachrichtenagentur nach. König Salman, der 82-jährige Herrscher des Wüstenreichs, habe das Projekt persönlich beendet.

Drei Quellen mit Verbindungen zu Regierungsinsidern hätten dies berichtet. Der Regent habe die Entscheidung nach Gesprächen mit Mitgliedern der eigenen Familie, mit Bankern und Öl-Managern getroffen. Vor allem sei er skeptisch, dass die von Kronprinz Mohammed angestrebte Bewertung von zwei Billionen Dollar erreicht werden könne, auch störe sich der König an der für einen Börsengang nötigen Transparenz.

"Für den 82-Jährigen mag es einfach ein Schritt zu viel gewesen zu sein, als der Mann in die Geschichte einzugehen, der die Kronjuwelen der Familie verkauft hat", schreibt die "Financial Times" über den abgesagten Deal. Riad dementiere zwar und verkünde, der Deal sei nicht abgesagt, sondern nur verschoben. Es erscheine aber offensichtlich, dass Salman seinen Sohn überstimmt habe - und der Macht des Kronprinzen damit einen empfindlichen Schlag versetzt habe. Der Aramco-IPO war die Grundlage des Vision-2030-Projekts, das die Wirtschaft des Königreichs unabhängiger vom Öl machen soll. Die dafür nötigen Investitionen sollten mit dem angestrebten Erlös in Höhe von 100 Milliarden Dollar gestemmt werden.

"MbS", wie der Kronprinz auch genannt wird, bleibt laut der von Reuters befragten Insider trotzdem "Lieblingssohn und Erbe mit großer politischer Macht". Saudi-Arabien könne sich auch auf anderen Wegen das für Reformen nötige Geld besorgen. König Salman habe lediglich zeigen wollen, dass die Macht noch immer bei ihm liege. Er bleibt damit laut "FT" ein Gegengewicht - vorerst.

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