22.08.2018 
Kyptowährungsskandal

Wie Envion Anleger um 100 Millionen Dollar brachte

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Das Investment sollte hohe Rendite bringen, stattdessen haben die Anleger viel Geld verloren. Es geht um das Initial Coin Offering (ICO) der Envion AG. Bei dieser Art der Finanzierung hatten etwa 30.000 Investoren Unternehmensanteile - sogenannte Tokens - für etwa einen US-Dollar pro Stück gekauft. Viel Geld kam Anfang 2018 für das Unternehmen zusammen: nach eigenen Angaben knapp 100 Millionen US-Dollar.

Heute ist ein Anteil nur noch knapp 7 Cent wert. Der Berliner Rechtsanwalt István Cocron hat für einige der Investoren Schadenersatzklagen beim Berliner Landgericht eingereicht. Der Vorwurf lautet Prospektbetrug, berichtet das "Handelsblatt". Demnach seien Angaben in den Unterlagen nicht korrekt gewesen. Außerdem habe das Start-up schwere Fehler begangen: Tokens seien an deutsche Privatinvestoren verkauft, der Prospekt aber nicht von der deutschen Aufsichtsbehörde geprüft worden. Seine Versprechen habe Envion ebenfalls nicht gehalten, heißt es von Cocron gegenüber der Zeitung. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Lage ist allerdings kompliziert. Hinter den Kulissen tobt ein Streit zwischen den Gesellschaftern, die sich gegenseitig mit Strafanzeigen überziehen wollen.


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Es geht zum einen um die Eigentümerstruktur. Die Envion-Gründer hinter Frontmann Michael Luckow hielten über ein Unternehmen namens Trado GmbH 81 Prozent an der Envion AG. Für Envion warben sie den ehemaligen ARD-Korrespondenten Matthias Woestmann als CEO an. Sie gaben ihm 19 Prozent an der AG sowie ihre Stimmrechte. Doch Woestmann holte dann laut "Handelsblatt" bei einer Finanzierungsrunde ungefragt einen neuen Investor - den Anwalt Thomas van Aubel - an Bord und verwässerte die Inhaberschaft der Gründer auf nur noch 31 Prozent.

Einstweilige Verfügung gegen Woestmann

Die Gründer sehen sich geschädigt - und eine einstweilige Verfügung gibt ihnen vorläufig recht. Woestmann habe den Gründern mit der Kapitalerhöhung "vorsätzlich einen Schaden zugefügt", zitiert das "Handelsblatt" die Entscheidung. Der CEO und sein Kumpan van Aubel dürften das Unternehmen nun nicht wie offenbar geplant veräußern.

Ein anderer Streitpunkt: Thomas Woestmann wirft den Gründern vor, sie hätten Millionen aus dem ICO beiseite geschafft. Deswegen hat er bereits Anzeige erstattet, die Gründer wiederum wehren sich gegen diese Darstellung.

Unterdessen werde laut "Handelsblatt" das Geschäft von Envion stark vernachlässigt. Die ursprüngliche Unternehmensidee sollte das Stromproblem der Kryptobranche lösen. Die Herstellung der virtuellen Währungen verbraucht große Mengen Energie. Envion wollte das sogenannte Mining in mobile Container verlegen, die an Kraftwerke angeschlossen werden. Billiger Strom, der übrig bleibt, sollte so für das Mining von Bitcoin und Co. genutzt werden.

Aber laut "Handelsblatt" sind angekündigte Kooperationen wie beispielsweise mit dem italienischen Stromkonzern Enel geplatzt. Auch erziele Envion nach wie vor keinen Umsatz. Für den Juli 2018 seien eigentlich 13,4 Millionen US-Dollar geplant gewesen.

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