04.02.2019 
Nach dem Singapur-Skandal

Diese Zweifel an Wirecard werden bleiben

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Noch hat die Singapurer Anwaltskanzlei Rajah & Tann ihre Untersuchung nicht abgeschlossen. Wirecard-Chef Markus Braun konnte den Investoren in einer Telefonkonferenz am Montagmittag aber bereits "mit Sicherheit" erklären, dass nichts Wesentliches dabei herauskommen werde. "Wir betrachten die ganze Angelegenheit schon als erledigt."

Um ein "Non-Event" zu erklären, hat sich der Vorstandschef des Dax-Neulings allerdings ziemlich viel Zeit genommen. Aber der Buchungsskandal, der laut "Financial Times" 37 Millionen Euro an zweifelhaften Zahlungen betrifft, hat in der vergangenen Woche auch mehr als sieben Milliarden Euro Börsenwert gekostet. Im Fall Wirecard ist die Börse noch hypernervöser als sonst.

Mag Markus Braun (49) auch den transparenten Aufklärer geben, das Geschäftsmodell der in zahlreichen Übernahmen rasant gewachsenen Firma bleibt eine Black Box mit einer Bilanz voller "Receivables", in der Kundenbeziehungen wie Cash behandelt werden. Buchungsskandale wie der aktuelle, mitunter verbunden mit Wetten von Shortsellern auf fallende Aktienkurse, sind in der Vergangenheit regelmäßig an Wirecard abgeperlt. Doch regelmäßig wurden auch Zweifel an der Substanz geweckt, die sich nicht so einfach ausräumen lassen - selbst wenn man die Herkunft aus der Porno- und Glücksspiel-Schmuddelecke ignoriert.

Wie kann Wirecard so profitabel sein?

Laut vorläufigen Zahlen hat das Unternehmen 2018 eine Ebitda-Marge von 27 Prozent erwirtschaftet. Mit oberflächlichem Blick erscheint das einleuchtend: Wirecard ist eben, wenn auch schon seit 1999 aktiv, eine dieser neuen Fintech-Firmen, die den traditionellen Banken den Rang ablaufen. Kein Wunder, dass die Commerzbank für Wirecard Platz im Dax machen musste und auch die Deutsche Bank weniger wert ist.

Der Zahlungsverkehr jedoch, in dem Wirecard aktiv ist, zählt zu den unprofitabelsten Geschäften der herkömmlichen Banken. Das Spezialgebiet heißt Acquiring im E-Commerce. Das Aschheimer Unternehmen tritt im Kern als eine Art Versicherung auf, die Vorkasse für Onlinehändler leistet und damit das Risiko eines Zahlungsausfalls trägt.

Das kann durchaus etwas kosten, vor allem weil Wirecard schwerpunktmäßig eine große Masse kleinerer Kunden betreut. Doch auf lange Sicht sollte auch denen auffallen, dass der Preis für die Acquiring-Provision zu hoch ist. Gerechtfertigt wäre die Provisionshöhe nur, wenn auf der anderen Seite das Risiko auch regelmäßig zum Schadensfall einträte - was allerdings Wirecards Gewinne aufzehren würde.

Dem Unternehmen wird von freundlichen Analysten gern die angeblich überlegene IT (natürlich mit künstlicher Intelligenz) angerechnet, die das Risiko besser einschätzen könne als andere Marktteilnehmer. Solche Erklärungen gibt es viele - so richtig überzeugend sind die aber meist nicht. Das zeigt etwa der Vergleich mit dem niederländischen Zahlungsdienstleister Adyen, der ungleich präsenter am Markt ist. Die jüngste Wirecard-Expansion nach Nordamerika mit der Übernahme des Geschäfts mit Prepaid-Karten von der Citigroup schreit auch nicht gerade nach hochmargigem High-Tech.

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