12.04.2019 
Kein Witz

Wall Street zittert um Patagonia-Westen

Eine Glosse von

An der Wall Street hat das große Zittern begonnen. Von "Revolution" und "Sozialismus" unken manche, Amerikas Kapitalismus stehe vor dem Kollaps. Was die Dealmaker jedoch wirklich besorgt, schreibt - natürlich - das "Wall Street Journal" (natürlich kostenpflichtig).

Die Outdoor-Bekleidungsmarke Patagonia will den Masters of the Universe ihre heiß geliebten Flanell- oder Daunenwesten verwehren, heißt es in dem Bericht - und damit das letzte noch wertbeständige Statussymbol. Also, nicht allen natürlich, weil man ja laufende Verträge von JPMorgan bis Allen & Company hat, damit diese Patagonia-Westen mit eigenem Logo als Goodies an ihre Mitarbeiter verteilen können.

Patagonia aber hat sich ja der sozialen und ökologischen Verantwortung verschrieben. "Wir sind im Geschäft, um den Planeten zu retten", heißt das Motto - weshalb man nun genauer darauf achten will, in welchem Umfeld die eigenen Plastikprodukte ein Naturburschen-Image verbreiten dürfen. Neue Westen-Partnerschaften gebe es daher nur noch für "missionsgetriebene Firmen, die dem Planeten Vorrang geben". Nicht für euch, heißt es also für eine Finanz-PR-Firma ausgerechnet namens Vested.

Man nehme derzeit gar keine Firmenaufträge an, heißt es nun auf der Patagonia-Website. "Marktpanik", schreibt daher das "Wall Street Journal" und zitiert Experten wie Jason Cammerota von dem Portal "Bro Bible": "Damit haben die Bestandskunden wie Morgan Stanley oder Nomura ihren Vorteil in der Rekrutierung gefunden." Denn wofür sollte man überhaupt noch in einer Investmentbank arbeiten, wenn nicht für eine Patagonia-Weste?

An anderer Stelle zeichnet das "Journal" den Siegeszug dieses Kleidungsstücks nach. Mal heißt es, es habe sich wegen der kalten Klimaanlagen in den Handelsräumen durchgesetzt, wo man mehr auf das Wohl der Computer achtet als auf das der armen Banker. Anderswo heißt es, im Zuge der Finanzkrise sei als Zugeständnis an die geplagten Banker die Anzug- und Krawattenpflicht gefallen und dann irgendwie Bergkleidung übrig geblieben. An dritter Stelle wiederum wird der Trend dem sehnsuchtsvollen Imitieren der lässigen Outdoor-Typen aus dem Silicon Valley zugeschrieben.

Jedenfalls sind die Westen heute das einheitliche Accessoire der "Bros" von der Wall Street, und - wie der Instagram-Account "Midtown Uniform" dokumentiert - überhaupt nicht mehr lässig.

Echte Weltverbesserer werden sich ein anderes Outfit aussuchen müssen. Anzug und Krawatte, vielleicht?

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