31.07.2014 
Argentinien-Pleite

Sieg des Starrsinns

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Die erneute Pleite Argentiniens ist unnötig. Die Schuld tragen alle Beteiligten, die allerdings jeweils gute Gründe für ihren Starrsinn hatten - außer dem 83-jährigen Richter. Das Scheitern zeigt, wie nötig eine Insolvenzordnung für Staaten ist.

Das Finanzzentrum von Buenos Aires steht vor einem neuen "Dia D", dem Tag des Default. Dieser Staatsbankrott wäre vermeidbar gewesen, lautet der Tenor nachdem Scheitern der Last-Minute-Verhandlungen in New York. Vermeidbar, weil Argentinien durchaus bereit und in der Lage ist, seine Schulden zu bezahlen. Vermeidbar auch, weil es dem Hedgefonds Elliott als Hauptgegenspieler mehr ums Geld als ums Recht geht und daher durchaus für Verhandlungen offen war, um anstelle seiner unmöglichen Maximalforderung einen realistischen Deal zu bekommen.

Doch so, wie die Positionen der Akteure aufeinanderprallten, fällt es schwer zu glauben, dass eine Lösung möglich gewesen wäre.

"Wir werden keinen Kompromiss schließen, der den Argentiniern schadet", deklarierte Wirtschaftsminister Axel Kicillof, der die argentinische Delegation leitete, auf seiner Pressekonferenz im New Yorker Konsulat.

Den Nebensatz kann man streichen, denn jeder Kompromiss mit Elliott würde den Argentiniern schaden - wahrscheinlich sogar mehr als die noch unabsehbaren Folgen des Zahlungsausfalls, der in erster Linie die übrigen Gläubiger trifft, während die argentinische Wirtschaft schon so weit vom Kreditsystem entkoppelt ist, dass sie einen Sturm am Finanzmarkt mit verkraftbarem Schaden an sich vorüberziehen lassen kann.

Der talentierte Ökonom Kicillof und seine Präsidentin Cristina Kirchner hatten deshalb keinen Grund, klein beizugeben. Ihre Verhandlungsposition ging nie darüber hinaus, dass Elliott und Mitkläger sich der von 93 Prozent der Gläubiger bis 2010 abgeschlossenen Umschuldung anschließen dürften.

Das kann man fair finden, schließlich sind die meisten Gläubiger trotz 70-prozentigen Forderungsverzichts mit hohen Zinsen plus Wachstums-Bonus ihrer neuen Bonds hoch belohnt worden, ohne die Zahlungsfähigkeit des Landes überzustrapazieren. Doch für diesen Sieg der Vernunft hätte Elliott nicht zwölf Jahre lang klagen müssen, sondern gleich das Angebot annehmen können.

Laut argentinischen Bankern gab es aber doch noch eine Aussicht auf Lösung in letzter Minute: Ein Konsortium um Jorge Brito von der Banco Macro hatte Elliott angeboten, alle Forderungen aufzukaufen, um dann bis 2015 zu warten und sich die Schuld dann vom Staat begleichen zu lassen, wenn der nicht mehr in der Haftung gegenüber der Gläubigermehrheit steht, ein besseres Angebot allen zugänglich zu machen. Angeblich, so zitiert die Zeitung "La Nación" die Banker, war der Vertrag nur Minuten vor Kicillofs Pressekonferenz unterschriftsreif.

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