11.02.2019 
Bieterstreit zwischen Euronext und Nasdaq

Der Kampf um die Hanse-Börse

Die Mehrländerbörse Euronext befeuert den Bieterkampf um die Börse Oslo. Der Konzern stockte seine Offerte auf 158 Norwegische Kronen je Oslo-Bors-Aktie von 145 Kronen auf, wie Euronext am Montag mitteilte. Damit bietet Euronext nun umgerechnet rund 693 Millionen Euro und übertrumpft das Angebot des US-Börsenbetreibers Nasdaq, der 152 Kronen je Aktie auf den Tisch gelegt hatte.

Anleger spekulierten offenbar, dass die Nasdaq nachlegt: Die Aktien der Börse Oslo stiegen um 2,6 Prozent auf 159 Kronen und notierten damit über der Euronext-Offerte. Die Börse Oslo bevorzugt weiterhin das Angebot der Nasdaq.

An der Einschützung, dass die Nasdaq der beste Eigentümer wäre, habe sich nichts geändert, sagte die Chefin der Börse Oslo, Bente Landsnes, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Amerikaner betreiben bereits alle anderen großen Handelsplätze in Skandinavien und dem Baltikum - und schaffen damit einen Finanz-Markt, wie es ihn zuletzt in Zeiten der Hanse (Blütezeit Ende des 13. Jahrhunderts bis etwa 1400) gegeben haben dürfte. Die angeschlossenen Börsen nutzen eine gemeinsame Technologieplattform, die den Handel zwischen den einzelnen Ländern erleichtert.

Die Euronext verspricht nicht nur mehr Geld. Die Börse Oslo werde als Teil der Mehrländerbörse ihre Identität bewahren, warb Euronext-Chef Stephane Boujnah für sein Angebot. "Die Rolle Oslos als wichtiges Finanzzentrum wird gestärkt." Eine knappe Mehrheit der Börse-Oslo-Aktionäre hat sich bereits "unwiderrufbar" für die Euronext-Offerte entschieden. An diese Zusagen sind sie aber nur bis zum Sommer gebunden. Er sei zuversichtlich, die Transaktion bis Ende Juni abzuschließen, sagte Boujnah. 38 Prozent der Aktionäre der Börse Oslo hätten ihre Zusage, ihre Anteilsscheine der Euronext anzudienen, aber bis Dezember verlängert.

Die Euronext versucht seit einiger Zeit, sich etwas breiter aufzustellen und das Gewicht nicht mehr so stark auf den Aktienhandel zu legen. Aus diesem Grund hat das Unternehmen, das die Börsen in Paris, Brüssel, Amsterdam und Lissabon betreibt, auch schon die auf den Anleihenhandel spezialisierte Dubliner Börse gekauft.

Reuters, soc

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