27.04.2017 
Geldhaus steigert Gewinn, Cryan zufrieden

Anleihehandel gibt Deutscher Bank Schub

Die Deutsche Bank kommt im Tagesgeschäft wieder in Schwung und hat mit ihrem Gewinn im ersten Quartal mehr verdient als erwartet. Das Vorsteuerergebnis kletterte im ersten Quartal um 52 Prozent auf 878 Millionen Euro, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 868 Millionen Euro gerechnet. Unter dem Strich standen 575 Millionen Euro Gewinn zu Buche, ebenfalls mehr als erwartet.

Vor allem der wichtige Anleihehandel florierte zu Jahresbeginn, wie sich schon bei dem Rivalen JP Morgan gezeigt hatte. Vorstandschef John Cryan hatte bereits zum Abschluss der rund acht Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung Anfang April angekündigt, im Kerngeschäft Investmentbanking wieder anzugreifen.

Nun betonte Cryan: "Ich bin zufrieden mit unserem Start in das Jahr 2017. Das Kundengeschäft läuft sehr erfreulich, wir verzeichnen in allen Bereichen der Bank Zuflüsse, und die Aktivität an den Märkten erholt sich."

Für das Gesamtjahr 2017 hat der Vorstand der Deutschen Bank ein ehrgeiziges Ziel: Nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten soll Deutschlands führendes Geldinstitut endlich wieder in die Gewinnzone zurückkehren und schwarze Zahlen schreiben.

Gewinnmitnahmen bei der Aktie nach den Zahlen

Die Aktien der Deutschen Bank nahmen unmittelbar nach den Zahlen Gewinne mit. Die Aktie fiel um rund 3 Prozent. Anleger handelten nach dem Motto "Buy the rumour, sell the news" und verkauften die Aktie nach der jüngsten Kursrally, sagte ein Händler: Die Aktien der Deutschen Bank waren in den vergangenen Tagen um mehr als 10 Prozent gestiegen.

Cryan sieht Deutsche Bank nach Kapitalerhöhung auf sicherem Boden

Die acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung soll für die Deutsche Bank die Basis schaffen, um das Vertrauen der Kunden zurück zu gewinnen. "Wir konnten jegliche Zweifel an unserer Kapitalausstattung ausräumen", zeigte sich Vorstandschef John Cryan am Donnerstag mit dem Ergebnis zufrieden. Die harte Kernkapitalquote - der internationale Maßstab für die Stärke der Bilanz - stieg damit auf 14,1 von 11,8 Prozent, wie die Bank im Quartalsbericht mitteilte. Mit den operativen Gewinnen allein wäre sie nur auf 11,9 Prozent gekommen.

"Nun können wir uns endlich darauf konzentrieren, den Umbau unserer Bank konsequent fortzusetzen und umsichtig zu wachsen", schrieb Cryan in einem Brief an die fast 100.000 Mitarbeiter. Die Bilanzrisiken (RWA) von 358 Milliarden Euro sind nun mit 50,7 Milliarden Euro hartem Kernkapital unterlegt.

Allerdings droht der Deutschen Bank ein deutlicher Anstieg der RWA, wenn sich die internationalen Bankenregulierer im Baseler Ausschuss auf eine Verschärfung bei der Anwendung interner Risikomodelle einigen.

Verschuldungsquote bei 4 Prozent

Auch bei der Verschuldungsquote (Leverage Ratio) muss sich die Deutsche Bank nach der Kapitalerhöhung mit 4,0 (Ende 2016: 3,5) Prozent vorerst keine Sorgen machen, dass sie den internationalen Anforderungen bald nicht mehr genügt. Derzeit gilt eine Mindestquote von drei Prozent, für global systemrelevante Institute zeichnet sich aber eine Anhebung auf vier Prozent ab. Ohne die Kapitalerhöhung hätte sich die Leverage Ratio der Bank wegen des anziehenden Geschäfts Ende März auf 3,4 Prozent verschlechtert.

US-Konkurrenz profitierte ebenfalls vom Anleihehandel

Der starke Vergleichszeitraum - hier insbesondere der März - hat es der Deutschen Bank schwer gemacht, die damaligen Ergebnisse zu übertreffen. Die Erträge einzelner Segmente bis Mitte März seien etwas geringer ausgefallen, hatte das Geldhaus vor einem Monat erklärt. Insgesamt habe man aber einen guten Start in das erste Quartal 2017 erwischt. Vor allem der Anleihenhandel war demnach stärker - viele Anleger schichteten angesichts der politisch unsicheren Lage ihre Depots um.

Schon die US-Konkurrenz profitierte zuletzt vom regen Handel mit Anleihen sowie von einer rund laufenden US-Wirtschaft samt steigenden Zinsen. Die großen Wall-Street-Häuser fuhren Milliardengewinne im ersten Quartal ein. Auch die Deutsche Bank will sich ihr Stück vom lukrativen US-Kuchen sichern, wie Cryan erst kürzlich bekräftigte: "Klar ist, dass die Vereinigten Staaten für uns als Bank weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Hier wächst die Wirtschaft besonders dynamisch, die Margen für Banken sind weiterhin hoch."

Postbank soll nicht verkauft, sondern eingegliedert werden

Gerade hat sich die Deutsche Bank acht Milliarden Euro frisches Kapital bei Investoren besorgt. Das soll letzte Zweifel an der Solidität des Instituts beseitigen und Wachstumschancen eröffnen. "Wir haben dank der gestärkten Bilanz auch Kapazitäten für mehr Geschäft. Deshalb können wir wieder gezielt wachsen", erklärte Cryan.

Allerdings: Der eigene Umbau ist noch längst nicht abgeschlossen. Die Bonner Tochter Postbank soll entgegen früheren Plänen nicht verkauft, sondern in das Privat- und Firmenkundengeschäft eingegliedert werden. Zudem will die Deutsche Bank Teile ihrer Vermögensverwaltung an die Börse bringen. So soll frisches Geld in die Kasse kommen.

Bereits zuvor hatte das Management die Weichen für den Abbau Tausender Stellen gestellt: Bis 2018 sollen weltweit unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze wegfallen, davon 4000 in Deutschland. Das Filialnetz schrumpft. "Wir haben noch etwas zu tun bei der Restrukturierung in Deutschland", hatte Cryan Anfang März gesagt. Es gebe aber "gute Perspektiven" im hiesigen Markt. Ende 2016 hatte die Deutsche Bank weltweit 99.744 Vollzeitkräfte, davon 44.600 in Deutschland. Die Postbank allein kam auf 18.100 Beschäftigte.

la/dpa/reuters

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