17.03.2019 
Trotz vieler Einwände

Deutsche und Commerzbank beginnen Fusionsgespräche

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Deutsche Bank und Commerzbank beginnen offiziell mit Gesprächen über eine Fusion. Das teilten die beiden größten deutschen Privatbanken am Sonntag nach getrennten Sitzungen ihrer Vorstände mit. Beide Banken erklärten, die Gespräche seien ergebnisoffen. Auf informeller Ebene tauschten sich Spitzenmanager der beiden Institute schon länger aus, wie Finanzminister Olaf Scholz unlängst bestätigte und nach wie vor keinen Hehl aus seiner Sympathie für eine deutsche Großbank macht. Doch jetzt, so scheint es, wird es ernst, wollen die beiden schwächelnden Großbanken nach 2016 es ein zweites Mal versuchen und Fusionsgespräche aufnehmen.

In einer Mitteilung an die Mitarbeiter lässt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing durchblicken, dass er eigentlich lieber erst seine "Hausaufgaben" beendet, die Bank also in Ruhe wieder auf Vordermann gebracht hätte. Doch sehe sich der Vorstand auch in der Pflicht und in der Verantwortung, "alle Möglichkeiten, die sich böten, sorgfältig [zu] prüfen".

Sein Ziel sei und bleibe es, "eine globale Bank mit einem starken Kapitalmarktgeschäft zu sein - basierend auf einer führenden Position in unserem Heimatmarkt Deutschland und Europa ... ". Sewing versprach, er werde "ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Optionen" verfolgen. Die Erfahrung zeige aber auch, "dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können".

Sollte die Fusion tatsächlich zustande kommen, entstünde eine Bank mit 38 Millionen Privat- und Geschäftskunden, zusammen etwa 140.000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund zwei Billionen Euro - unter Europas größten Banken reichte das in der Rangliste gerade mal für Platz vier, rechnet Bloomberg vor.


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Ob diese neue Großbank dann sicherer wäre vor einer feindlichen Übernahme als die beiden Institute im Alleingang, wie Befürworter einer Fusion behaupten, ist allerdings strittig. Angesichts historisch niedrigerer Börsenwerte der Institute - ihre Markkapitalisierung halbierte sich 2018 in etwa - hätten ernsthafte Interessenten schon längst angreifen können. Haben sie aber nicht.

Weil sie versteckte Risiken in Bilanzen und Kreditbüchern der beiden Banken fürchten, weil Deutsche und Commerzbank zu ertragswach sind im internationalen Vergleich? Weil sie kostspielige Sozialpläne, den Widerstand der Gewerkschaften oder auch des Bundes als Coba-Großaktionär scheuen?

Interessant ist in diesem Kontext, dass die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Bank umgekehrt ein fusioniertes(!) Institut für übernahmegefährdeter halten. Plausibel erscheint diese These nur, wenn diese "Braut" auch hübsch genug für eine Ehe ist: die Kosten also drastisch gesenkt und nachhaltig steigende Erträge in Sicht sind. Zumindest die Kostenseite glauben Analysten einschätzen zu können. 30.000 Stellen oder gar mehr müssten wegfallen, um das fusionierte Institut wettbewerbsfähiger zu machen.

Ob die Banken und letztlich auch die Politik zu diesem viel zitierten"Blutbad" bereit sind, muss sich noch erweisen. Die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten beider Banken haben bereits entschiedenen Widerstand gegen eine Fusion angekündigt. Zudem müssen skeptische Anteilseigner von dem Sinn dieses Zusammenschlusses noch überzeugt werden, da sie ihre Anteile bei einer niedrigen Bewertung verwässern würde, wie Bloomberg berichtet. Der Finanzinvestor Cerberus hingegen, der gut 5 Prozent an der Commerzbank und 3 Prozent an der Deutschen Bank hält, soll Agenturberichten zufolge Zustimmung signalisiert haben.

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