07.07.2019 
7,4 Milliarden Kosten - Vorstände gehen - Aktien- und Handelsgeschäft schrumpft

Deutsche Bank streicht 18.000 Jobs und schrumpft radikal

Die Deutsche Bank will radikal schrumpfen und streicht im Zuge des Umbaus bis zum Jahr 2022 rund 18.000 Jobs. Das kündigte das Insitut am Sonntag nach einer Aufsichtsratssitzung an. Der Aufsichtsrat beschloss außerdem den Rückzug aus dem weltweiten Aktiengeschäft und eine Verkleinerung des Handels. Die Bank werde nach dem umfangreichen Stellenabbau noch rund 74.000 Vollzeitstellen haben.

Wegen der Kosten für den Umbau schreibt die Bank im zweiten Quartal einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro nach Steuern. Bis Ende 2022 rechnet der Vorstand mit Belastungen von insgesamt 7,4 Milliarden Euro durch den Umbau - allein drei Milliarden Euro davon werden bereits im zweiten Quartal verbucht.

Durch die Schrumpfkur sollen die bereinigten Kosten bis 2022 um etwa sechs Milliarden Euro auf dann 17 Milliarden fallen, um wieder profitabler zu werden. Bis 2022 soll die Rendite auf acht Prozent zulegen. Die Bank will sich aus dem weltweiten Aktiengeschäft zurückziehen und ihr Handelsgeschäft verkleinern.

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Keine Kapitalerhöhung geplant - aber zwei Dividenden-Nullrunden

Den milliardenteuren Umbau will die Deutsche Bank aus eigener Kraft stemmen und ohne erneute Kapitalerhöhung auskommen. Die Aktionäre sollen deshalb für 2019 und 2020 keine Dividende erhalten. Zudem will das Geldhaus seine Kapitalpolster abschmelzen - künftig setzt es sich eine harte Kernkapitalquote (CET 1) von mindestens 12,5 Prozent zum Ziel, nachdem bislang mindestens 13 Prozent angestrebt wurden.

Interne Bad Bank soll 74 Milliarden Euro aufnehmen

Die Deutsche Bank gründet zudem eine interne "Bad Bank", um Bilanzpositionen abzuwickeln, die aus den Geschäftsfeldern stammen, die aufgegeben oder verkleinert werden sollen. Diese Positionen umfassen 74 Milliarden Euro an Bilanzrisiken (RWA) - ein Fünftel des Gesamtbestandes.

Dadurch will das Institut Luft für Investitionen in ihren Kern-Bereichen bekommen. Zu diesen zählt sie das Geschäft mit Unternehmenskunden, das Finanzierungsgeschäft, das Geschäft mit Fremdwährungen, das Beratungs- und Emissionsgeschäft, das Privatkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung mit der Fondstochter DWS.

Umbaukosten sorgen für Milliardenverlust im zweiten Quartal

Die hohen Kosten für den Umbau reißen die Deutsche Bank im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen. Einschließlich der Belastungen für die Restrukturierung rechnet Deutschlands größtes Geldhaus nach Angaben vom Sonntag mit einem Verlust von etwa 500 Millionen Euro vor Steuern und 2,8 Milliarden Euro nach Steuern im Zeitraum April bis Ende Juni. Bereinigt um diese Belastungen erwarte die Bank für das zweite Quartal einen Gewinn vor Steuern in Höhe von rund 400 Millionen Euro und nach Steuern von 120 Millionen Euro. Die Zahlen für das zweite Quartal 2019 will der Dax-Konzern wie geplant am 24. Juli veröffentlichen.

Vorstand wird umgebaut: Ritchie, Strauß und Matherat müssen gehen

Die Deutsche Bank baut außerdem ihren Vorstand grundlegend um. Privatkundenchef Frank Strauß und die für Regulierungsthemen zuständige ehemalige Bankenaufseherin Sylvie Matherat verlieren ihre Posten im Führungsgremium des größten deutschen Geldhauses. Beide werden die Bank zum 31. Juli dieses Jahres verlassen. Bereits am Freitag hatte die Bank bekanntgegeben, dass Investmentbankchef und Konzernvize Garth Ritchie das Institut zum 31. Juli verlassen wird.

Vorstandschef Christian Sewing macht die Führung der zuletzt schwächelnden Unternehmens- und Investmentbank zur Chefsache. Rechtsvorstand Karl von Rohr, der ebenfalls stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist, wird die Verantwortung für die Privatkundenbank und die Vermögensverwaltung mit der Marke DWS übernehmen. Risikovorstand Stuart Lewis ist künftig auch für den Bereich Compliance und die Abteilung gegen Finanzkriminalität zuständig.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank ernannte in seiner Sitzung am Sonntag zudem drei neue Vorstandsmitglieder, die zunächst Generalbevollmächtigte sein werden, bis die entsprechenden Freigaben der Aufsichtsbehörden vorliegen: Die gebürtige Amerikanerin Christiana Riley, seit Ende 2015 Finanzchefin der Unternehmens- und Investmentbank, übernimmt ab sofort die regionale Verantwortung für das Geschäft in Nord- und Südamerika.

Der bisherige SAP-Vorstand Bernd Leukert stößt zum 1. September 2019 als Vorstand für Digitalisierung, Daten und Innovation zur Deutschen Bank, um die IT auf Vordermann zu bringen. Der Anwalt Stefan Simon, der seit August 2016 Mitglied des Aufsichtsrates war, wird recht überraschend Chief Administrative Officer (CAO) und wird für die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden und für die Rechtsabteilung verantwortlich sein.

rei/la mit dpa, ap  und reuters

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