25.05.2017 
Katarer und chinesische HNA-Gruppe könnten wegen Absprachen Stimmrechte verlieren

Deutscher Bank drohen neue Klagen wegen Großaktionären

Von Tim Bartz

Der Deutschen Bank drohen Anfechtungsklagen gegen die Beschlüsse auf ihrer jüngsten Hauptversammlung. Entsprechende Schritte bereitet die Kanzlei BayerLaw aus Frankfurt vor, berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die ab Freitag (26. Mai) im Handel ist.

Demnach sollen sich die Großaktionäre Hamad Bin Khalifa Al Thani und Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al Thani aus Katar mit der chinesischen HNA-Gruppe informell zu einem Stimmrechtsbündnis zusammengeschlossen haben. HNA hält knapp 10 Prozent an der Deutschen Bank , die Katarer inklusive Optionen kaum weniger. Damit hatten sie angesichts niedriger Präsenzquoten zusammen auf der letzten Hauptversammlung die Mehrheit.

Für einen Aktionärspakt spricht nicht zuletzt, dass der Einstieg der Chinesen nach Informationen des manager magazins von Michele Faissola eingefädelt wurde. Der Ex-Deutsche-Bank-Manager berät die Katarer seit mehr als einem Jahr und war in ihrem Auftrag seit 2016 auf der Suche nach Bündnispartnern, um ihren Einfluss auf die Bank zu erhöhen.

Wer jedoch in Absprache mit Dritten Einfluss auf die Geschäftspolitik einer börsennotierten Bank nimmt, muss dies nach dem Kreditwesengesetz (KWG) und dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) melden. Anderenfalls könnte er seine Stimmrechte verlieren. "Wir planen, alle Beteiligten als Zeugen für die Abstimmung vorzuladen", sagte Jan Bayer von der Kanzlei BayerLaw, der vor dem Frankfurter Landgericht klagen will.

Auch der Münchener Anwalt Krauß, der seit Langem mit der Deutschen Bank streitet, erwägt einen solchen Schritt. Er vertritt die Aktionärin Marita Lampatz. Deren Anträge auf drei Sonderprüfungen zur Rolle von Aufsichtsrat und Vorstand in der Affäre um manipulierte Libor-Zinsen sowie im Geldwäscheskandal in Russland waren auf der Hauptversammlung durchgefallen - allerdings rechnerisch vor allem wegen des Stimmenblocks aus Katar und China. Viele der unabhängigen Aktionäre waren dafür.

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