06.04.2018 
Investmentbanking-Vorstand Ritchie hadert mit Perspektive

Deutsche-Bank-Vorstand droht mit Ausstieg

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Die Deutsche Bank kämpft um den Verbleib von Investmentbanking-Vorstand Garth Ritchie. Seit Monaten diskutieren Aufsichtsratschef Paul Achleitner und der Südafrikaner über einen neuen Vertrag - bislang erfolglos. Ritchies aktueller Kontrakt läuft Ende des Jahres aus, im Normalfall wird eine Verlängerung zwölf Monate zuvor beschlossen.

Nach Informationen von manager-magazin.de hatte Ritchie Achleitner seinen Willen zum Ausstieg signalisiert. Allerdings ist Ritchie bei den Regulatoren etwa von der Europäischen Zentralbank hoch angesehen. Der Spezialist für Aktien und Wertpapierhandel arbeitet seit 22 Jahren bei der Bank und ist praktisch als einziger der ehedem zahlreichen Spitzen-Händler der Frankfurter unbescholten durch die vielen Handelsskandale gekommen. Seit 2016 sitzt der 49-Jährige im Vorstand.

Die Diskussion um Ritchie berührt eines der Kernprobleme der kriselnden Bank. Ritchie führt zusammen mit Marcus Schenck die Sorgensparte von Deutschlands größtem Geldhaus: Das Investmentbanking bietet theoretisch den größten Rendite-Hebel und ist das wichtigste Argument für den Anspruch der Bank, in der globalen Top-Liga mitzuspielen. Tatsächlich aber enttäuscht das Geschäft mit der Beratung großer Firmenkunden - die Schenck verantwortet - und dem Handel mit Wertpapieren und Währungen - um das sich Ritchie kümmert - seit Jahren die Investoren.

Ritchie soll sich deswegen für Investitionen und einen wieder forscheren Kurs in seinen Geschäften einsetzen, die allerdings allein schon an den begrenzten Mitteln der Bank scheitern. Zudem flammen immer wieder Diskussionen auf, das Geschäft in den USA noch weiter zurückzufahren, dem wichtigsten Kapitalmarkt der Welt. Derzeit durchforstet die Bank unter dem Arbeitstitel Colombo die Sparte nach weiterem Sparpotential.

Ritchies Ausstieg wäre der zweite prominente Wechsel im Handelsgeschäft der Bank innerhalb kurzer Zeit: Jüngst war der Strukturierungs-Experte Sam Wisnia, der als einer der am höchsten bezahlten Angestellten des Hauses galt, zum Hedge-Fonds Eisler Capital gewechselt. Allerdings war Wisnia intern aufgrund seiner aggressiven Attitüde nicht unumstritten.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank wollte die Informationen nicht kommentieren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg haben Ritchie und Schenck in einer Hausmitteilung ihre Mitarbeiter gebeten, sich jetzt nicht ablenken zu lassen und weiter auf die Arbeit zu konzentrieren. Die Informationen über den möglichen Ausstieg Ritchies bezeichneten sie als "Spekulationen".

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