29.04.2019 
Perspektiven der Deutsche-Bank-Sparten nach dem Fusions-Aus

Selbst das "Flow Monster" schrumpft

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Zur Zukunft hat die Führung der Deutschen Bank vorerst wenig zu sagen. Am Tag nach dem Abbruch der Fusionsgespräche mit der Commerzbank weichen Bankchef Christian Sewing und Finanzvorstand James von Moltke allen Fragen von Journalisten und Analysten nach ihrem Plan C weiträumig aus.

Es gibt ja noch Plan A: Die vor der Fusion verkündete Strategie, Kosten zu senken und Geschäfte zu straffen, die erst einmal umgesetzt werden muss. "Wir werden weiterhin alle Alternativen prüfen", schrieb Sewing den Beschäftigten - aber nur als Vorsichtsvermerk in einem Lobbrief auf die Geschäftszahlen zum ersten Quartal.

"Wir sind auf einem guten Weg", findet Sewing. Auf einen katastrophalen Januar und einen schlechten Februar folgte doch noch ein ganz ordentlicher März. "Nun geht es darum, Kurs zu halten." Investmentbankchef Garth Richie schrieb den Seinen, die Absage an die Commerzbank "erlaubt uns, alle Energie auf unsere im April 2018 begonnene Strategie zu konzentrieren".

Das sind Durchhalteparolen. Denn die Börse ist keineswegs überzeugt. Gerade im Investmentbanking sieht Analyst Kian Abouhossein von JPMorgan offensichtliche Streichkandidaten wie den Aktienhandel und das US-Geschäft, denen er 200 bis 300 Millionen Euro Verlust vor Steuern pro Jahr zuschreibt.

Zahlen eines einzelnen Quartals sind zwar nur Momentaufnahmen. Da die Bankführung unter Druck steht, eine neue Strategie zu präsentieren, könnte die Verfassung der Sparten in diesen Monaten aber darüber entscheiden, welche Bankteile geschlossen oder als zentrale Stützen gestärkt werden.

Hier die Übersicht:

Das Investmentbanking insgesamt trägt mit 3,3 Milliarden Euro im ersten Quartal immer noch die Mehrheit der Erträge der Deutschen Bank bei, auch wenn dies einen Rückgang um 13 Prozent im Vorjahresvergleich bedeutet. Erwartet worden war ein noch deutlicheres Minus. Das tröstet aber wenig darüber hinweg, dass die Sparte zum zweiten Mal in Folge rote Zahlen schrieb, mit einem Verlust vor Steuern von 88 Millionen Euro.

Innerhalb der Sparte fällt die Bilanz äußerst unterschiedlich aus. Während die Beratungsgebühren um 39 Prozent auf 122 Millionen Euro zulegten und die Bank sogar stolz einen "geteilten ersten Platz" für Börsengänge in den USA reklamierte, schrumpften die wichtigeren Erträge bei Anleihenemissionen - dem einzigen Bereich, wo sich die Deutsche Bank in den "League Tables" der Investmentbanken noch in den globalen Top 5 hält; bei Aktienemissionen sogar um 43 Prozent auf kaum noch nennenswerte 43 Millionen Euro.

Noch härter schmerzt das Minus von 19 Prozent im erheblich größeren Handelsgeschäft. Vor allem der Aktienhandel mit Erträgen von 468 Millionen Euro gilt als Verlustbringer. Im gleichen Maße schrumpfte jedoch der Handelsbereich FIC (Anleihen und Währungen), von fast 1,9 auf nur noch gut 1,5 Milliarden Euro - das ist das viel gerühmte "Flow Monster", das die Bank nach eigenen Angaben mit "gezielten Einstellungen" mutmaßlich hoch bezahlter Talente gerade verstärkt.

Zu Gute kommt der Sparte "Unternehmens- und Investmentbank", dass auch die Zahlen des Global Transaction Banking eingerechnet werden. Die Erträge aus Geldtransfers und Handelsfinanzierung legten nämlich um weitere 6 Prozent auf 975 Millionen Euro zu. Dieser Bereich bereitet mit Abstand am wenigsten Kopfzerbrechen - und bietet den Vorteil, den globalen Anspruch der Deutschen Bank zu verkörpern, ohne die Aura allzu hohen Risikos zu verströmen.

Die Privat- und Geschäftskundenbank, der in einer Fusion mit der Commerzbank die größten Kürzungen gedroht hätten, lief ebenfalls im Rückwärtsgang. Die Erträge schrumpften um 5 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, am ausgeprägtesten auf dem deutschen Heimatmarkt mit minus 7 Prozent - der in dieser Sparte dominiert, wohingegen die Deutsche Bank für Deutschlands Bankversorgung keine herausragende Rolle spielt. Im Wettbewerb mit Sparkassen oder auch der Commerzbank ist das Heil der Bank schwer zu finden.

Die Zinserträge waren trotz der Aussicht auf jahrelange Nullzinsen stabil, die Bank steuerte mit wachsendem Kreditvolumen gegen. An Provisionen und anderen Gebühren verdiente sie hingegen deutlich weniger. Auf der Kostenseite kam die Privat- und Geschäftskundenbank noch etwas langsamer voran als die Wall-Street-Kollegen.

Die zähe Integration der Postbank wirkt dabei sicherlich als Bremse. Doch auch wenn diese einmal abgeschlossen wird, dürfte die Formel für ein dauerhaft profitables Geschäftsmodell im konservativen Banking noch nicht gefunden sein. Wenigstens für das 4-Prozent-Ziel der Eigenkapitalrendite hat es mit 5,5 Prozent gereicht.

Etwas abseits läuft die Vermögensverwaltung mit der teilweise an die Börse gebrachten Fondstochter DWS. Die von Anlegern kassierten Gebühren gingen zwar leicht auf 525 Millionen Euro zurück, hier ließen sich aber die Kosten deutlicher auf Abstand halten - im Ergebnis stand ein kleiner, aber noch relativ sicherer Vorsteuergewinn von 96 Millionen Euro.

Kein Wunder, dass sich in dieser Sparte zuerst etwas bewegt: Sie ist ohnehin schon etwas abgenabelt, einigermaßen unkompliziert zu Geld zu machen, und allein zu klein - die Fusionsgespräche mit der UBS dürften einen ersten Hinweis darauf liefern, wie sich die Deutsche Bank post Commerzbank neu orientiert.

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