17.03.2019 
Allianz soll Interesse an Deutsche-Bank-Tochter DWS haben

Entsteht ein neuer Fondsriese?

Von

Eine Fusion mit der Commerzbank würde die Deutsche Bank zunächst viel Geld kosten. Acht Milliarden Euro, rechnen Analysten vor. Einen Großteil davon könnte sie mit dem Verkaufserlös ihrer Tochter DWS decken. Die Vermögensverwaltungstochter wäre für den Versicherungskonzern Allianz aber auch andere Wettbewerber eine seltene Gelegenheit.

Die beginnenden Fusionsgespräche von Deutscher Bank und Commerzbank haben Spekulationen über einen Verkauf der Deutsche-Bank-Tochter DWS ausgelöst. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet am Sonntag, der Versicherungsriese Allianz habe ein Auge auf die Vermögensverwaltungstochter geworfen und wolle sie in die deutsche Fonds-Tochter Allianz Global Investors (AGI) integrieren. Keiner der möglicherweise beteiligten Akteure wollte am Sonntag den Bericht kommentieren.

Die Überlegungen der Allianz befänden sich noch in einem frühen Stadium und müssten keineswegs zu Verkaufsgesprächen führen, schreibt Bloomberg unter Berufung auf einen Insider. Die DWS gilt als eines der wenigen Kronjuwelen der Deutschen Bank, folglich schwer täte sie sich wohl auch mit einem Verkauf.

Die Deutsche Bank hatte im März vergangenen Jahres einen geringeren Teil als erwartet der DWS an die Börse gebracht und nach Abstrichen an der Preisspanne auch deutlich weniger eingenommen: nämlich 1,4 Milliarden Euro statt der erhofften zwei Milliarden Euro.

Andererseits könnte der Verkauf der Tochter dem Institut helfen, eine Fusion mit der Commerzbank zu finanzieren. Nach einer Analyse der DZ Bank würde der Zusammenschluss die Deutsche Bank im Zuge von Restrukturierungskosten und einer Neubewertung von Vermögenswerten rund 8 Milliarden Euro kosten. Mit anderen Worten: Die Deutsche Bank müsste dann große Löcher in der Bilanz stopfen. Sie könnte die Investoren erneut um mehr Kapital bitten. Doch deren Neigung, noch mehr Geld zu geben, dürfte gen Null tendieren, berichtet Reuters.

"Wenn die Deutsche Bank die Commerzbank erwirbt, wird sie prüfen, wie sie das finanzieren kann. Eine der Optionen ist, ihre Beteiligung an der DWS zu veräußern", zitiert Bloomberg Neil Smith, Analyst beim Bankhaus Lampe.

Für die Allianz sei die DWS kein Thema - noch nicht

Der Marktwert der DWS beträgt derzeit 5,6 Milliarden Euro. Der 78-Prozent-Anteil der Deutschen Bank werde mit rund 4,3 Milliarden Euro bewertet. Die Bank müsste wohl fünf Milliarden erlösen, wollte sie Abschreibungen verhindern.

Für den Versicherungskonzern sei eine Übernahme der DWS kein Thema - jedenfalls jetzt nicht, zitiert Reuters einen Insider. Was aber in sechs Monaten sei, könne keiner sagen. So gilt die Vermögensverwaltung neben der Sachversicherung als einer der Bereiche, für die Allianz-Chef Oliver Bäte mögliche Zukäufe nicht ausschließt.

Die DWS (662 Milliarden Euro) und Allianz Global Investors (505 Milliarden Euro) bildeten mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt rund 1,17 Billionen Euro in der Tat einen nationalen Champion, wie ihn Bundesfinanzminister Olaf Scholz zumindest für die Banken vorschwebt - sie vereinten laut Branchenverband BVI rund ein Drittel des deutschen Investmentmarktes.

Fusion von DWS und Allianz Global Investor entzieht sich nicht jeder Logik

Ein möglicher Zusammenschluss zu einem nationalen Champion entzieht sich nicht jeder Logik. Die Margen in dem Geschäft schnurren wegen des hohen Wettbewerbs unter Vermögensverwaltern und des Drucks, den deutlich günstigere, zumeist passiv gemanagte Indexfonds (ETF) auf sie ausüben zusammen.

Das bekam 2018 auch die DWS zu spüren. Zum einen zogen Anleger im vergangenen Jahr netto 22,3 Milliarden Euro ab. Zum anderen sank auch die Managementgebührenmarge empfindlich, so dass der Gewinn unter dem Strich um 38 Prozent auf rund 390 Millionen zusammenbrach. Zugleich steht die AGI intern nach wie vor im Schatten des konzerneigenen US-Vermögensverwalters Pimco.

Interessant könnte die DWS indes auch für andere Wettbewerber sein. Für Vermögensverwalter stellte in einem sich konsolidierenden Markt ein Akteur von der Größe der Deutsche-Bank-Tochter eine seltene Gelegenheit dar. So soll auch die französische Amundi an der DWS interessiert sein, die allerdings laut Bloomberg einen Kommentar ablehnte.

Mit einem Verkauf der Vermögensverwaltung würde die Deutsche Bank indes auf den Kurs der Commerzbank einschwenken. Sie hatte ihre Fondsgesellschaft Cominvest schon vor zehn Jahren verkauft - an die Allianz.

Mehr zum Thema