11.11.2019 
David Miller ersetzt James Amine

Credit Suisse bekommt neuen Chef für Investmentbank

Die Credit Suisse besetzt die Führung ihrer Investmentbank neu. Der bisher auf Kreditmärkte spezialisierte langjährige Credit-Suisse-Manager David Miller übernehme die Rolle des Chefs für die Sparte, teilte das Institut am Montag mit. Sein Vorgänger James L. Amine trete ab und übernehme eine neu geschaffene Position in New York. Neuer Verwaltungsratschef für die Division werde Eric Varvel - zusätzlich zu seinen bisherigen Funktionen unter anderem als Chef des Asset Managements.

Damit setzt sich der Umbau in der Führungsetage der Crédit Suisse fort. Der Abgang des früheren Chefs der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan (43), und sein anschließender Wechsel zum Erzrivalen UBS hatten in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt.

Anlass für den Abschied von Khan soll ein privates Zerwürfnis zwischen Khan und Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam (57) gewesen sein. Als Thiam 2015 vom britischen Versicherer Prudential nach Zürich kam, schienen die beiden noch zu harmonieren. Der Chef beförderte Khan mehrfach, bezeichnete ihn wiederholt als "Star" und rief dessen Sparte zum Herzstück der künftigen Unternehmensstrategie aus. Khan jedoch soll sich laut "FT" allmählich darüber beschwert haben, dass es ihm an Perspektiven für den Aufstieg an die Firmenspitze mangle.

Pikant wurde das Verhältnis, als Khan ein Grundstück neben Thiams Haus in Herrliberg, einem Züricher Vorort an der Goldküste des Zürichsees, kaufte. Als Khan das Haus auf seinem Grundstück abreißen und neu bauen ließ, beschwerte sich Thiam über die fast zwei Jahre dauernden Bauarbeiten, teils auch an Wochenenden - dem Bericht zufolge wandte er sich wegen dieses Ärgernisses sogar an Verwaltungsratschef Urs Rohner. Khan wies jedes Fehlverhalten zurück.

Eskalation wegen versperrtem Seeblick

Zur Eskalation kam es auf einer von Thiam ausgerichteten Gartenparty in diesem Januar (kurz nach Khans Einzug ins nun fertige Nachbarhaus). Dort soll sich Khan gegenüber Thiams Freundin über drei neu gepflanzte Bäume beschwert haben, die den Khans den Seeblick versperrt haben. Daraufhin stellte der CEO seinen Spartenvorstand zur Rede. Von "ziemlich viel Alkohol" und "heftigem Krach" berichtet der "Tagesanzeiger". Khans Frau habe schließlich eine Schlägerei verhindert.

Khans steile Karriere bei der Credit Suisse war daraufhin jedoch sofort vorbei. Dem Manager wurde mit ungewöhnlich kurzer Frist der Wechsel zum Lokalrivalen UBS erlaubt. Am 1. Oktober soll er dort antreten. Credit Suisse wollte mit dem Anheuern der Investigo-Detektive jedoch prüfen, ob der Abtrünnige große Teile seines Teams mitnimmt.

Die ganze Affäre dürfte noch mehr Karrieren beschädigen. Zumindest Thiams Vertrauter Pierre-Olivier Bouée, der als COO auch für Sicherheit zuständig ist und den Auftrag zur Beschattung unterzeichnete, steht stark unter Druck. Aber auch Thiam selbst solle weg, forderte der frühere Credit-Suisse-Grande Oswald Grübel im Interview der "Schweizer Illustrierten".

Das Züricher Finanzblog "Inside Paradeplatz" spekuliert über die Nachfolge. "Kronfavorit" sei Schweiz-Chef Thomas Gottstein. Auch an der Verwaltungsratsspitze dürfte mit Ulrich Körner bald ein Lokalmatador stehen - "die Schweiz hätte ihre Credit Suisse". Anders als unter dem aus Côte d'Ivoire gebürtigen Franzosen Thiam oder dem in der Schweiz aufgewachsenen Pakistaner Khan, heißt das wohl. Laut "Aargauer Zeitung" häufen sich jetzt rassistische Mails gegen die Bank.

Ein von der "FT" zitierter großer Investor hält die Affäre trotz des albernen Hintergrunds für "extrem ernst". Alle Beteiligten seien beschädigt, "vor allem aber die Credit Suisse".

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