12.09.2019 
Waymo-Chef John Krafcik auf der IAA

Wie Googles Auto-Ausgründung Waymo Europa erobern will

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Das Silicon Valley entert das Herzland der Autoindustrie: Am Donnerstag hat John Krafcik, CEO von Googles Auto-Ausgründung Waymo, gemeinsam mit Bundskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main eröffnet. Waymo gilt auch bei deutschen Ingenieuren und Managern als führend bei selbstfahrenden Autos - und wird von den deutschen Herstellern ebenso bewundert wie gefürchtet. Denn mit Waymo entsteht eine gewaltige neue Macht in der Industrie: Die Investmentbank Morgan Stanley bewertet das Unternehmen mit rund 175 Milliarden Dollar - sie hält das Unternehmen für wertvoller als Daimler und Volkswagen zusammen.

Die Mission von Krafcik in Frankfurt war also klar: Bloß nicht aggressiv rüberkommen, auf keinen Fall als Disruptor. Mit sanfter Stimme erklärte Krafcik, dass Waymo sich davon abgewendet habe, "ein Autohersteller zu werden oder mit Autoherstellern zu konkurrieren". "Wir haben unsere Rolle klar erkannt - den Waymo-Fahrer für die Welt bereitzustellen." Waymo will "bestehende Unternehmen im Automobilbereich befähigen, nicht disrupten", beteuerte Krafcik. "Wir können das nicht alleine machen." Und Krafcik lockt: Wer mit Waymo zusammenarbeitet, der wird die Waymo-Technik auch seinen eigenen Kunden anbieten können. "Wir werden einen Weg finden, das möglich zu machen."

Lesen Sie den mm-Report: Wie Waymo die Autoindustrie erobern will


Was Krafcik nicht sagt: Bei dem Modell, das Waymo vorschlägt, hält ein Unternehmen das Steuer klar in der Hand - Waymo. Die Google-Ausgründung hat den Herstellern zwar angeboten, die Daten über Passagiere zu teilen. Doch sie kontrolliert die Fahr-Technologie, die Autobauer bleiben abhängig von dem Valley-Konzern.

Im Gespräch mit dem manager magazin wurde Krafcik deutlicher als am Donnerstag auf der IAA. So wie Krafcik es sieht, ist sein Angebot immer noch viel besser als das bisherige Geschäftsmodell der Hersteller: Die Autobauer kämpften um ein miserables Geschäftsmodell, das mit dem Fokus auf die verkauften Stückzahlen längst dem Modell der verhassten Smartphoneschrauber "stark ähnelt".

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