18.10.2018 
Neue Abwrackprämie

VW zahlt für alte Diesel - egal welcher Marke

Der Autobauer Volkswagen will ab sofort mit Hilfe von Kaufprämien alte Diesel aus dem Verkehr ziehen. Beim Kauf eines Neuwagens oder jungen Gebrauchtfahrzeugs erhalten die Kunden für die Verschrottung ihres alten Dieselfahrzeug eine Prämie. Die Höhe sei abhängig vom gewählten Modell. Medienberichten zufolge liegt die Prämie bei mindestens 1500 Euro und maximal 10.000 Euro. VW Nutzfahrzeuge teilte mit, je nach Modell einen Preisnachlass zwischen 4000 und 8000 Euro brutto zu bieten, wenn ein altes Dieselfahrzeug mit Abgasnorm bis zu Euro 4 verschrottet wird.

Beteiligt seien die Konzernmarken Audi, Seat, Skoda und Volkswagen. Von welcher Marke das Altfahrzeug sei, sei dabei irrelevant. Hauptsache ein Diesel-Auto der Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4, teilte Volkswagen am Donnerstag mit. In den 14 Städten mit besonders belasteter Luft sollen die Besitzer von Diesel-Autos der Normen Euro 4 und Euro 5 zudem Wechselprämien erhalten, die zusätzlich zum Restwert gezahlt würden.

Damit leiste Volkswagen einen "signifikanten Beitrag" zur Verbesserung der Luftqualität, sagte Konzern-Vertriebschef Christian Dahlheim. Ziel ist es, drohende Fahrverbote zu verhindern. In der ersten Runde der Abwrackprämie von August 2017 bis Juni 2018 wurden laut VW konzernweit mehr als 210.000 alte Dieselautos aus dem Verkehr gezogen.

Daimler bietet nach früheren Angaben für Diesel-Pkw der Marke Mercedes-Benz bis zu 10.000 Euro in den 14 besonders belasteten Regionen und außerhalb wie bisher 2000 Euro. Der französische Autobauer Renault führte in Deutschland gestaffelte Prämien bis zu 10.000 Euro ein.

Verkehrsminister Scheuer lehnt Bußgelder ab

Im kürzlich vorgestellten Diesel-Konzept der Bundesregierung sind Umtauschaktionen und Hardware-Nachrüstungen für Euro-5-Diesel als Möglichkeit vorgesehen, um die Luft in Städten mit hoher Schadstoffbelastung zu verbessern. Bezahlen sollen dies die Autohersteller. Hardware-Nachrüstungen lehnen die Autobauer allerdings ab.

Die große Koalition streitet derzeit über mögliche Milliarden-Bußgelder für Autobauer. Hintergrund ist die Weigerung der Hersteller, bei möglichen technischen Nachrüstungen älterer Diesel-Autos die Kosten vollständig zu übernehmen. Dies ist neben Kaufanreizen für sauberere Autos ein zentraler Punkt eines Maßnahmen-Pakets, auf das sich Union und SPD im Kampf gegen Fahrverbote geeinigt hatten.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnt Bußgelder gegen Autohersteller ab. Er setzt vor allem auf Kaufanreize. Die Hersteller würden "attraktive" Umtauschprämien anbieten, es gehe um 1,4 Millionen Autos und ein Volumen von sieben Milliarden Euro, hatte er vergangene Woche gesagt.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass mit Opel der nächste deutsche Autobauer im konkreten Verdacht steht, die Abgase von Dieselfahrzeugen mit umstrittenen Software-Funktionen manipuliert zu haben. Das Bundesverkehrsministerium hatte einen amtlichen Rückruf für europaweit rund 100.000 Autos der Typen Insignia, Cascada und Zafira angekündigt.


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Darüber hinaus brummte die Staatsanwaltschaft München der VW-Tochter Audi ein Bußgeld von 800 Millionen Euro auf. Grund seien "Abweichungen von den regulatorischen Vorgaben" bei bestimmten Dieselmotoren.

mg/dpa-afx, rtr

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