02.10.2019 
VW-Truckgruppe Traton setzt auf Elektroantrieb

Auch Volkswagens Lkw-Chef Renschler will seine Flotte unter Strom setzen

Aus Stockholm berichtet

Volkswagen wird elektrisch, und das schneller als alle anderen. Was von Konzernchef Herbert Diess für die Pkw-Welt längst gesetzt ist, hat sich jetzt auch der für die Trucks verantwortliche Andreas Renschler vorgenommen. "In zehn bis 15 Jahren könnte jeder dritte Lkw und Bus unserer Marken mit alternativen Antrieben fahren", sagte Renschler beim Innovation Day der VW-Truckgruppe Traton in Stockholm.

Die meisten davon sollten voll elektrisch fahren, ergänzte der Traton-Chef. Renschler kündigte an, das Unternehmen werde bis 2025 mehr als eine Milliarde Euro in die Elektrifizierung der Fahrzeuge investieren. Eine weitere Milliarde werde in den kommenden fünf Jahren in die Digitalisierung fließen. Traton wolle "führender Hersteller batterieelektrischer Nutzfahrzeuge" werden.

Renschler hatte Volkswagens Nutzfahrzeugsparte 2015 übernommen. Zwei seiner wichtigsten Ziele hat er in diesem Jahr umgesetzt. Gegen teils heftige interne Vorbehalte hat er Traton als eigenständiges Unternehmen aufgestellt und im Juni an die Börse gebracht. Die nächsten Ziele sind die weitere Globalisierung des Truckherstellers - und die Vorbereitung auf die elektrische Zukunft.

Truckhersteller elektrifizieren ihr Angebot bislang vor allem wegen der hohen Kosten für Batterien genau wie für Brennstoffzellenantriebe allgemein deutlich zurückhaltender als die Pkw-Kollegen. Auch Traton bietet noch keine elektrifizierten Busse oder Lkw an. Scania und MAN wollen ihre E-Offensive 2020 mit batterieelektrischen Bussen starten. Den Antrieb hätten die Marken gemeinsam entwickelt, sagte Renschler. Die brasilianische Tochter Caminhoes e Onibus hat bereits einen Großauftrag für Elektrotrucks erhalten. Sie soll bis 2023 1600 elektrische Liefer-Lkw an die Brauerei Ambev liefern.

"Bedingungen für Elektrooffensive deutlich verbessert"

Renschler sagte, die Bedingungen für eine Elektrooffensive hätten sich deutlich verbessert. Er erwarte, dass die Betriebskosten von Liefer-Lkw und Stadtbussen in zehn Jahren mit denen eines Trucks mit Verbrennungsmotor konkurrieren könnten. Dazu sollen vor allem die sinkenden Preise und die gleichzeitig steigende Lebensdauer der Batterien beitragen. Voraussetzung für die beschleunigte Elektrifizierung sei allerdings eine entsprechende Infrastruktur für alternative Kraftstoffe und Elektrizität, sagte Renschler. "Wir brauchen Förderprogramme zur Anschaffung elektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge sowie einen europäischen Masterplan für Ladeinfrastrukturen", appellierte er an die Politik. Die EU hat auch für Nutzfahrzeuge die Grenzwerte für CO2-Emissionen bis 2030 deutlich verschärft und die Truckbauer so massiv unter Druck gesetzt.

Renschler warnte vor den Folgen der wirtschaftlichen Abkühlung. Das Wirtschaftsumfeld werde immer herausfordernder, die Wachstumserwartungen ließen nach. Im ersten Halbjahr 2019 hatte das Unternehmen erstmals mehr als eine Milliarde Euro operativen Gewinn erwirtschaftet. Zu Traton gehören der schwedische Truckhersteller Scania, die Münchener MAN-Gruppe und die brasilianische Tochter Volkswagen Caminhoes e Onibus; zusätzlich ist Traton mit gut 16 Prozent am amerikanischen Lkw-Bauer Navistar beteiligt. Der Volkswagen-Konzern hält weiter 90 Prozent der Aktien der Truck-Tochter.

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