20.03.2019 
Angespannte Stimmung wegen Sparprogramm

20.000 wollen Antworten vom Volkswagen-Chef

Volkswagen könnte bei seiner heutigen Betriebsversammlung eigentlich ins Stadion des VfL Wolfsburg umziehen - bis zu 20.000 Kollegen erwartet der Betriebsrat. Die Kollegen wollen Antworten von Konzernchef Herbert Diess wegen des angekündigten zusätzlichen Jobabbaus. Die Stimmung ist aufgeladen. Selbst ein Großaktionär kritisiert den Stil des Vorstands.

Zoff um den neuen Abgasprüfstandard WLTP, Milliardeninvestitionen in E-Mobilität und Digitalisierung, drohende Stellenstreichungen und Sparprogramme: Die Lage bei Volkswagen bleibt angespannt. In den nächsten fünf Jahren sollen zusätzlich 5000 bis 7000 Stellen wegfallen, ab 2023 sollen so die Kosten weiter sinken und der Gewinn um 5,9 Milliarden Euro jährlich steigen.

Ziel von des Vorstands ist es es, finanziellen Spielraum zu gewinnen, um zusätzliches Geld in Zukunftstechnologien stecken zu können. Das bedeutet neue Sorgen für die Beschäftigten - vor allem zum verschärften Sparkurs werden die Mitarbeiter an Diess und Betriebsratsboss Bernd Osterloh daher bei der Betriebsversammlung am Mittwoch heute Mittwoch viele Fragen ein. Rundfunkberichten zufolge stellt sich Diess auf eine mehrstündige Versammlung ein,

Laut Betriebsratskreisen werden wegen der aktuellen Lage bis zu 20.000 Mitarbeiter bei der Betriebsversammlung erwartet. Sowohl Diess als auch Betriebsratsboss Bernd Osterloh werden zur Belegschaft sprechen.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Volkswagen angesichts der geplanten Milliarden-Investitionen in E-Mobilität und Digitalisierung seinen Sparkurs bei der Kernmarke VW Pkw weiter verschärft und in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 5000 bis 7000 Stellen wegfallen sollen. Der neue Personalvorstand Gunnar Kilian kündigte an, dass es Gespräche mit dem Betriebsrat geben werde, bei denen die Auswirkungen Bereich für Bereich erarbeitet würden.

Betriebsratschef Osterloh reagierte aber verärgert auf die Ankündigung. "Ehe der Betriebsrat in Gespräche mit dem Vorstand einsteigt, wollen wir Antworten auf unsere Fragen hören", sagte er. Der Vorstand sei bisher nicht in der Lage gewesen, die Größenordnung von bis zu 7000 Stellen zu erläutern. Er sprach von Managementfehlern. Als Beispiel nannte er Milliardenverluste wegen des neuen Abgastests WLTP, die nicht die Belegschaft zu verantworten habe.

Anteilseigner Niedersachen im Aufsichtsrat kritisiert Management

Bereits im Herbst 2016 hatte VW bei der Marke mit der Arbeitnehmerseite ein großes Sparprogramm verabredet, das bis Ende 2020 läuft und den weltweiten Abbau von 30.000 Stellen vorsieht. "Dass in den letzten Tagen darüber hinaus über einen weiteren Arbeitsplatzabbau bei Volkswagen öffentlich diskutiert wurde, bevor es auch nur substanzielle und intern abgestimmte Planungen gibt, halte ich für einen Fehler", kritisierte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der als Regierungschef des Anteilseigners Niedersachsen im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt.

Da von den Kürzungsplänen vor allem der VW-Hauptstandort Wolfsburg betroffen ist, dürfte sich das Tauziehen zwischen Betriebsrat und dem Management am Mittwoch vor der Belegschaft fortsetzen. Für wenigstens etwas Auflockerung der Stimmung könnte dabei der Besuch von Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff sorgen, bevor am Abend die DFB-Elf in Wolfsburg gegen Serbien spielt. Volkswagen ist seit Anfang des Jahres neuer "Mobilitätspartner" der Nationalmannschaft.

rei/dpa

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