14.01.2020 
Elektroauto- und Batteriefabrik in Brandenburg

Teslas deutsche "Gigafactory" wird weder "öko" noch "giga"

Aus Grünheide (Mark) berichtet

Bei dieser Tankstelle geht die Mittagsruhe offenbar über das Geschäft, von Besuchern scheint der Betreiber derzeit nicht viel zu halten. "Fahrräder anlehnen verboten" und "Betreten der Baustelle verboten" steht am leicht verwitterten Holzzaun einer Tankstelle im brandenburgischen Freienbrink. Von Bauarbeiten ist zwar nichts zu sehen, doch auch der Zugang zum Tankstellengebäude ist an diesem Mittwochmittag Anfang Januar nicht möglich: Die Eingangstür ist versperrt, der Weg zur Außentoilette mit einem Zaun abgeriegelt. Aus seinem weißen Zweckbau stürmt ein Mitarbeiter erst, als er den Besucher mit Fotokameras erblickt. Dann befiehlt er barsch, die Fotos zu löschen, und drängt Besucher mit Drohgebärden vom Gelände.

Dabei dürfte die Tankstelle bald häufiger Besuch bekommen. Nur 700 Meter entfernt stampft der Elektroautohersteller Tesla seine europäische Batterie- und Autofabrik aus dem Boden, die der Konzern selbst als "Gigafactory Berlin" bezeichnet. Das Werk soll bereits im Juli 2021 den Betrieb aufnehmen. Dafür muss Tesla erstmal 155 Hektar Wald abholzen lassen. Täglich werden Dutzende Lkw Baumaterial liefern, und einige Fahrer dürften wohl auch in der neben der Tankstelle liegenden Trucker-Stube vorbeischauen.

Welche Dimensionen das Werk haben wird und was das für die Bewohner der Region bedeutet, zeigen die umfangreichen Unterlagen für die Bau-Vorprüfung, die bis Anfang Februar an vier Orten in Brandenburg öffentlich ausliegen. manager magazin hat sich Teslas Pläne im Rathaus von Grünheide angesehen.

Die Dokumente füllen fünf Aktenordner und verraten, worauf der US-Autokonzern zumindest im ersten Bauabschnitt verzichtet: Auf eine eigene Ökostromproduktion etwa und überraschenderweise auch auf die Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen.

Was Teslas Brandenburger Werk vom Werk in Nevada unterscheidet

Denn in den Plänen findet sich kein Hinweis darauf, dass Tesla in seinem Werk in Grünheide Photovoltaikanlagen auf das Fabrikdach setzen und so selbst CO2-frei Strom erzeugen will. Bei Teslas "Gigafactory 1" in der Wüste von Nevada war ein Solardach zur Stromerzeugung von Anfang an vorgesehen - auch wenn sich Tesla mit der Errichtung des Daches länger Zeit ließ.

Allerdings will Tesla auf dem Gelände in Grünheide ein eigenes Erdgaskraftwerk errichten. Erdgas werde für den Schmelzprozess in der Gießerei, Trockenöfen und Lackieranlagen sowie für die zentrale Heizungsanlage benötigt, heißt es in den ausliegenden Plänen.

Elektrische Energie im Umfang von 109 Megawatt will Tesla laut den Beschreibungen offenbar zukaufen. Ob Tesla dabei ausschließlich auf Ökostrom setzt oder nicht, lässt sich den Projektbeschreibungen nicht entnehmen. Für seine erste "Gigafactory" in Nevada hat Tesla auf seiner Website eine andere Zielrichtung ausgegeben: Das Batteriewerk in Reno werde überhaupt keine fossilen Brennstoffe nutzen und im Endausbau ein Netto-Nullenergiegebäude sein. Davon ist bei Teslas deutschem Werk zumindest in der ersten Bauphase keine Rede.

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