03.06.2019 
Aktienkurs mehr als halbiert

Wer profitiert, wenn Tesla (aus)fällt?

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Die Aktie von Tesla hat sich binnen sechs Monaten halbiert. Ist der E-Autobauer ein Restrukturierungsfall? Manche Analysten sehen das so. Je tiefer die Aktie sinkt, desto brachialer ihre Gedankenspiele. Schon wird spekuliert, wer vor allem profitieren könnte, sollte Tesla das Geld ausgehen.

Quo vadis Tesla? Angesichts eines seit Ende vergangenen Jahres halbierten Aktienkurses und auch fallender Anleihekurse stellen sich immer mehr Analysten diese Frage. Zwar werfen sie mitunter in Worst-Case-Szenarien mal eben Kursziele von 10 Dollar in den Raum, eine endgültige Prognose über die Zukunft des E-Autobauers aber wagen sie verständlicherweise nicht.

Gleichwohl hält es einzelne Vertreter der Zunft nicht davon ab, darüber zu spekulieren, wer von einem möglichen Zusammenbruchs Teslas profitieren würde und was dies für die in vielen Staaten politisch und finanziell unterstützte Elektromobilität bedeuten könnte.

Wie die Kollegen von Morgan Stanley betont auch Bernstein-Analyst Max Warburton, dass Tesla als Wachstumsstory die Anleger zunächst elektrisiert habe, dass gar Wettbewerber von dem anfänglichen Erfolg des Model S "zutiefst beeindruckt" gewesen seien. Nun jedoch scheine das Unternehmen "strukturell unrentabel" zu sein. Es drückten hohe Fixkosten, der Markt für Teslas Modelle sei "viel kleiner als erwartet" und die Technologie des einstigen E-Autopioniers sei "nicht mehr einzigartig", zitiert Bloomberg den Bernstein-Analysten.

"Tesla eher eine verzweifelte Kredit- und Restrukturierungsgeschichte"

Im Grunde, so der Experte, unterscheide Tesla nicht mehr viel von den deutschen Premiumherstellern Mercedes oder BMW, die ihr Angebot an Elektroautos massiv erweiterten und im Gegensatz zu Tesla konsequent Cash und Gewinne erwirtschafteten. Tesla werde heute "eher als eine verzweifelte Kredit- und Restrukturierungsgeschichte gesehen", ätzte schon vor einer Woche Morgan-Stanley-Kollege Adam Jonas.

Teslas Aktien hatten am vergangenen Freitag mit knapp 185 Dollar den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren markiert - und rutschten am Montag weiter ab. Auch am Anleihenmarkt verlieren Anleger zusehends das Vertrauen: Der Kurs der mit 5,3 Prozent verzinsten und bis 2025 laufenden Anleihe gab am Montag weiter nach und fiel auf unter 80 Prozent. Setzt sich diese Entwicklung fort, muss Tesla womöglich den Kapitalmarkt bald erneut anzapfen - das aber zu deutlich höheren Preisen, was die Schuldenlast weiter nach oben treibt.

Wie raus aus dieser Abwärtsspirale? Drastisches Sparen ist für Tesla-Chef Elon Musk ganz offensichtlich jetzt das entscheidende Gegenmittel, wie er in einem Brandbrief an die Mitarbeiter kürzlich angekündigt hatte. Die Kosten müssten zwingend runter. Der Autobauer habe lediglich zehn Monate Zeit, um die Gewinnschwelle zu erreichen, machte Musk den Ernst der Lage klar.

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"Was sich ändert ist die Nachfrage", warnte Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas. Zwar rechne Tesla für das zweite Quartal mit bis zu 100.000 verkauften Fahrzeugen. Flüsterschätzungen an der Wall Street gingen jedoch lediglich von 70.000 verkauften Autos für das zweite Jahresviertel aus.

Die Zahlen zum ersten Quartal zeigten bereits: Der Markt für Tesla-Autos wächst nicht so, wie sich das Elon Musk erhofft. Die Nachfrage nach älteren Modellen (Model S und Model X) könnte durch das noch vergleichsweise neue Model 3 in Zukunft sogar stärker nachgeben. Hinzu kommt: China als Absatzmarkt, der für Tesla immer wichtiger werden soll, arbeitet hart an eigenen wettbewerbsfähigen Elektroautobauern. Auch dürfte für Tesla, das in China eine eigene E-Autofabrik hochziehen will, das Geschäft im Reich der Mitte deutlich schwieriger werden angesichts des eskalierenden Handelsstreits zwischen Washington und Peking.

Tesla-Aktie auf dem tiefstem Stand seit zweieinhalb Jahren

Tesla hatte für das erste Quartal 702 Millionen Dollar Verlust ausgewiesen und kurz darauf entgegen gebetsmühlenhaften Beteuerungen den Kapitalmarkt um 2,7 Milliarden Dollar angezapft.

Sollte Tesla seine Ziele verfehlen und womöglich das Geld ausgehen, werde sich dies positiv auf den Aktienkurs insbesondere europäischer Premiumhersteller wie BMW und Daimler auswirken, auch Zulieferer wie Continental und Schaeffler dürften profitieren.

Umgekehrt werde der Druck auf andere Elektroautobauer steigen und Regierungen womöglich ihren Kurs überdenken müssen, im gleichen Ausmaß Elektroautos wie bislang zu fördern, um ihre Verbreitung im Sinne einer nachhaltigen Verkehrswende zu beschleunigen, glaubt Bernstein-Analyst Warburton.

Die Bundesregierung hatte erst vor wenigen Tagen endgültig entschieden, die Kaufprämie für Elektroautos in Deutschland bis zum Jahr 2020 zu verlängern. Tatsächlich ist der gewährte Umweltbonus bislang eher als Flop denn als Erfolg zu interpretieren: Von den 600 Millionen Euro Unterstützung für den Kauf eines Elektroautos war zu Beginn dieses Jahres noch nicht einmal ein Viertel abgerufen und ausgezahlt worden.

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