15.04.2019 
Mobilitätsdienst Moia startet in Hamburg

Wo es bei VWs Aufbruch ins goldene Shuttle-Zeitalter hakt

Von Leonie Weigner
Foto: manager-magazin.de

2. Teil: Mobilitätsdienste erzielen Riesen-Bewertungen - bloß profitabel ist das Geschäft meist noch nicht

Auch wenn die Systeme von Moia und anderer neuer Mobilitätsdienstleister noch nicht ganz ausgereift erscheinen: Die schiere Masse an neuen Angeboten zeugt davon, wie groß die Innovationskraft - und scheinbar auch die Nachfrage - ist. Erst Ende März ist der Fahrdienstleister Lyft in den USA mit einer Rekordbewertung von 25 Milliarden Dollar an die Börse gegangen. Nachdem die Aktien zunächst sogar noch über der Bewertung verkauft wurden, rutschte der Kurs zeitweise stark ab, um sich seit einigen Tagen nun knapp unter dem Wert der Bewertung einzupendeln.

Und auch der Konkurrent Uber hat bereits Details zu seinem im Mai geplanten Börsengang veröffentlicht. Demnach sollen rund zehn Milliarden Dollar eingesammelt werden, was einer Bewertung von hundert Milliarden entsprechen würde. Ubers IPO könnte damit einer der größten Tech-Börsengänge der Geschichte werden.

Auch die Entwicklung von übergeordneten Dienstleistern wie Wunder Mobility, der Software für das Autoteilen und Fahrdienst-Vermitteln entwickelt, zeugen von dem Hype. Doch flächendeckend erfolgreich und profitabel ist bislang keiner der zahlreichen Anbieter wie Uber, Clevershuttle und Co. Für Wunder Mobility-Gründer Gunnar Froh ist es eine Mischung aus geringen Einstiegbarrieren bei dem Preis, aber einer strengen Regulatorik, die es so schwierig macht, einen Service über die Stadt-Grenzen hinaus anzubieten.

Mehr als nur ein Shuttleservice

Auch bei Moia denkt man von Anfang an in größeren Dimensionen. Hamburg und Hannover seien die Probestädte, um das Konzept zu stabilisieren, doch "unser Fokus ist ganz klar international und mit einem starken Fokus auf Europa", heißt es von CEO Ole Harms. Kein Wunder, investiert VW doch Dutzende Millionen in den Start seiner Mobilitätsmarke. Der 42-Jährige ist für das operative Geschäft der VW-Tochter zuständig und spricht von einer Zehnjahresplanung. Moia ist im Konzern der Nutzfahrzeug-Sparte angesiedelt und untersteht damit Vorstand Thomas Sedran. Dass der langjährige oberste Konzernstratege - nicht zuletzt unter Konzernchef Herbert Diess - neue Mobilitätsformen pusht, ist nichts Neues und Moia ein willkommenes Versuchsfeld.

Sollte Moia scheitern, wären die Kosten für VW dabei vergleichsweise gering: Als Automobilhersteller kann der Konzern seine Moia-Flotte quasi zu Selbstkostenpreisen auf die Straße bringen. und auch die Fahrer sind nicht, wie bei Uber, Privatleute, sondern angestellt. Das aufwändige und bislang nur in wenigen Städten profitable Carsharing für Privatleute, wie es Daimler und BMW mit ShareNow vormachen, umgehen die Wolfsburger dabei galant. Vielleicht auch, weil VW sein Carsharing-Pilotprojekt "Quicar" mangels Erfolg im Jahr 2016 einstampfte. Aktuell bastelt VW an einem neuen Dienst für das Autoteilen: "WeShare".

Das Ziel für Moia ist jedoch jetzt erstmal eindeutig: "Wir wollen der effizienteste und effektivste Flottenbetreiber in diesem Geschäft werden und sein", heißt es von Harms weiter.

Die Investitionen seitens VW liegen bei Moia in einem "signifikanten dreistelligen Millionenbetrag". Und es ist nicht das einzige Projekt in Hamburg. Denn für den im Herbst 2021 anstehenden Weltkongress intelligente Transport Systeme (ITS), hat VW verschiedene Initiativen gestartet. Auch die Anfang April vorgestellten autonom fahrenden Golf gehören dazu. Aus Konzernkreisen ist zu hören, dass auch der Crafter dafür Potenzial hätte. Er sei so ausgelegt, dass die für autonomes Fahren erforderliche Rechenleistung einbaubar wäre.

Sollte Moia weniger profitabel werden als prognostiziert, hat VW also vorgesorgt: Dann enden die goldenen Moia-Transporter wohl als Roboterauto-Versuchsflotte. Bei allem Hype rund um das autonome Fahren ist das vermutlich das letzte, was Moia-Chef Harms will.

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