01.08.2018 
Opel gehört seit einem Jahr zu PSA

Blitz-Gewinn zum Jahrestag - doch genesen ist Opel noch nicht

2. Teil: "Opel wird noch deutscher, als es jemals der Fall war"

Diesen Eindruck versuchen PSA-Chef Tavares und Opel-Chef Lohscheller mit aller Macht zu zerstreuen. "Germanness" sollen die künftigen Opel-Modelle ausstrahlen, meint PSA-Chef Tavares - und meint damit Solidität, Effizienz und autobahnfeste Dynamik, gern auch elektrisch. Deutsche Ingenieurskunst werde weltweit bewundert, sagt der Portugiese, und will Opel so international vermarkten.

"Opel wird noch deutscher, als es jemals der Fall war", versprach Lohscheller nun in mehreren Interviews. Rüsselsheim werde jeden Opel verantworten und zudem wichtige Themenfelder wie die Brennstoffzelle, Sitze oder eine neue Benzinmotoren-Familie zentral für den gesamten Konzern erledigen. Wie viele der über 7000 Ingenieure im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum er dafür noch benötigt, hat der Opel-Chef allerdings bislang offen gelassen. Ebenfalls unklar ist, mit welchen Projekten die Werke Eisenach und Kaiserslautern künftig ausgelastet werden sollen.

Opelaner müssen Einschnitte im Entwicklungszentrum befürchten

Eine Umstrukturierung im Entwicklungszentrum sei jetzt unabwendbar, sagte Lohscheller etwa kürzlich dem "Focus". "Die Überkapazitäten im Entwicklungszentrum werden sukzessive größer, weil Aufträge von externen Kunden Jahr für Jahr zurückgehen." Da das Unternehmen eine Jobgarantie auch für die Beschäftigten des Entwicklungszentrums gegeben habe, "müssen wir hier handeln".

Mitten in die finalen Tarifverhandlungen mit der IG Metall platzte prompt die Nachricht aus Frankreich, dass PSA mit mehreren Ingenieurdienstleisternüber einen Teilverkauf des Zentrums verhandele. Bis zu 4000 Ingenieure könnten wechseln, aus Sicht von Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug eine Operation am offenen Herzen des Unternehmens. "Es gibt die Angst, dass die Marke Opel diese Operation, wenn sie kommen würde, nicht überlebt", erklärte er. Die Rüsselsheimer Opelaner gingen mit einem flauen Gefühl in die Werksferien.

Der Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, zeigt sich irritiert über die Planungen im Hinterzimmer: "PSA und Opel halten sich nicht an die Regeln der Mitbestimmung, scheinen die Veränderungen nicht auf Augenhöhe mit Betriebsrat und IG Metall aushandeln zu wollen." Natürlich brauche Opel ein Entwicklungszentrum, sonst würde es zur verlängerten Werkbank von PSA, meint Köhlinger. "Das werden wir, wird auch der Betriebsrat nicht akzeptieren." Es gebe trotz erster Erfolgsmeldungen bei Opel also noch keinen Grund zur Entwarnung.

wed/dpa/afp

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