21.03.2019 
Weg für Teilverkauf an Segula frei

Opel legt Streit um Entwicklungszentrum bei

Der Streit zog sich monatelang hin. Es gab Flugblätter, mit denen sich der Betriebsrat zur Wehr setzte. Das führte zuletzt zu spitzen Worte von Carlos Tavares, Chef der Opel-Mutter Groupe PSA, bei der Jahrespressekonferenz. Doch nun hat das Opel-Management mit dem Betriebsrat einen Kompromiss für sein Entwicklungszentrum gefunden, dass in Teilen an den französischen Dienstleister Segula verkauft werden soll.

Mit der Einigung könnten die Überkapazitäten dort überwunden werden und die angestrebte Partnerschaft mit dem französischen Entwicklungsdienstleister Segula Technologies zustande kommen, erklärten Unternehmen und Betriebsrat am Mittwoch.

Die betroffenen rund 2000 Beschäftigten sollen demnach die Wahl haben, zu Segula zu wechseln oder Opel mit einer Abfindung, mit Altersteilzeit oder über Vorruhestandsregelungen zu verlassen. Damit werden voraussichtlich weniger Opelaner zu Segula gehen als ursprünglich geplant. Das Unternehmen begrüßte dennoch die Einigung. "Der Weg zur erfolgreichen Umsetzung unseres Projektes ist jetzt frei", erklärte Deutschlandchef Martin Lange. "Wir sehen eine gute Auftragslage für Rüsselsheim und Dudenhofen."

Bereits im vergangenen Jahr hatte Opel angekündigt, sich von einem Teil seines Entwicklungszentrums in Rüsselsheim trennen zu wollen und darüber mit dem französischen Dienstleister Segula Technologies zu verhandeln. Grund ist, dass mit dem Wechsel Opels vom US-Autobauer General Motors zum französischen Peugeot-Citroen-Hersteller PSA Aufträge für die Ingenieure wegfielen. Segula wollte bei einer Einigung bis zu 2000 der damals rund 7000 Mitarbeiter des Entwicklungszentrums übernehmen. Mittlerweile sind es nach Angaben von Opel noch 6440 Beschäftigte.

Erhalt des verkleinerten Entwicklungszentrums gesichert

Betriebsrat und IG Metall hatten gefordert, dass die Betroffenen ein Wahlrecht haben sollten und Segula einen Tarifvertrag abschließen würde. Die Tarifverhandlungen seien jetzt der nächste Schritt, erklärte ein Sprecher der IG Metall. Segula will dabei aufs Tempo drücken. "Wir streben jetzt eine schnelle Einigung zum Tarifvertrag mit der IG Metall an", erklärte Segula-Personalchef Udo Bekker.

Der Ingenieur-Dienstleister beschäftigt weltweit 12.000 Mitarbeiter in 30 Ländern. Zu den rund 300 Kunden des Familienkonzerns gehören Firmen aus der Autobranche, der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie, dem Energiesektor, dem Schienenverkehr sowie der Schifffahrt, der Pharmazie und der Petrochemie. Die Opel-Entwicklungsingenieure sollen künftig auch für Kunden außerhalb der Autoindustrie arbeiten.

Zugleich bekräftigte der Opel-Mutterkonzern den Erhalt des verkleinerten Entwicklungszentrums. PSA habe zugesichert, dass der Standort ein Kern des Entwicklungsnetzwerks bleibe, teilten der Opel-Betriebsrat und das Unternehmen weiter mit. "Das Entwicklungszentrum wird das Design und die wettbewerbsfähige Entwicklung aller zukünftigen Opel/Vauxhall-Modelle übernehmen." Zusätzlich sei das Zentrum verantwortlich für weltweite Aufgaben innerhalb des PSA-Konzerns, etwa bei der Entwicklung von leichten Nutzfahrzeugen und einer neuen Motorenfamilie.

wed/Reuters

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