24.04.2018 
PSA-Chef Tavares zu Opel-Verhandlungen

"Das wird noch etwas Lärm machen"

PSA-Chef Carlos Tavares hat sich auf der Hauptversammlung des französischen Autokonzerns zum Stand der aktuellen Sanierungsverhandlungen bei den deutschen Opel-Werken geäußert. "Die Verhandlungen mit den deutschen Gewerkschaften werden noch einige Wochen dauern", sagte der 59-Jährige in Rueil-Malmaison bei Paris. "Seien Sie nicht überrascht, das wird noch etwas Lärm machen", kündigte er an. "Das ist ein Teil dessen, was man machen muss, um dieses Unternehmen wieder auf die Schienen zu bringen."

PSA hatte Opel im vergangenen Sommer von General Motors übernommen. Nachdem der französische Konzern 2014 selbst noch mit Kapitalspritzen gestützt werden musste, legt das Unternehmen inzwischen Rekordrenditen vor.

Tavares setzte dafür in Frankreich und auch Großbritannien harte Einsparungen durch und will nun auch die deutschen Werke auf Kurs bringen. "Wir müssen das tun, was notwendig ist, um das Management wieder ins Zentrum des Systems zu bringen, damit Opel vom Management geleitet wird", erklärte der gebürtige Portugiese.

Tavares fordert einen Lohnverzicht der Beschäftigten, um die Arbeitskosten hierzulande auf das niedrigere Niveau des Gesamtkonzerns zu drücken. Auf Werkschließungen will er aber verzichten und auch keine betriebsbedingten Kündigungen durchsetzen. Bisher verliefen die Verhandlungen mit den Gewerkschaften aber ergebnislos. Die IG Metall hatte PSA Erpressung vorgeworfen und einen detaillierten Unternehmensplan gefordert.

Im Opel-Werk in Eisenach ist für heute eine Protestaktion geplant. Dabei wollen sich Beschäftigte, Gewerkschafter und thüringische Landespolitiker für den Erhalt des Standorts einsetzen. Nach einer Betriebsversammlung wollen sie vor das Tor der Fabrik ziehen, in der derzeit noch die Modelle Corsa und Adam gebaut werden. Unter anderem werden Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erwartet.

PSA mit kräftigem Gewinnsprung dank Opel und Vauxhall

Zusätzlich angeheizt wird der Konflikt durch die heute veröffentlichten Zahlen von PSA. So kletterten die Erlöse im ersten Quartal vor allem dank der neuen Töchter Opel und Vauxhall um 42 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro.

PSA verkaufte insgesamt über eine Million Autos, fast ein Viertel davon kamen von den neuen Sparten in Deutschland und Großbritannien. Insgesamt belief sich die Absatzsteigerung auf 44 Prozent, bei Opel und Vauxhall gab es zunächst keine Zahlen zur Entwicklung.

Doch dass die beiden neuen Töchtern einen maßgeblichen Anteil an den steil gestiegenen Verkaufszahlen hatten, ergibt sich aus den Statistiken für Europa: Hier erhöhten Peugeot, Citroen und DS ihren Absatz um 8,7 Prozent, während er insgesamt - also mit Opel und Vauxhall - um fast 66 Prozent in die Höhe schoss.

PSA-Chef Tavares soll eine Million Euro mehr bekommen

Die beiden Töchter allein brachten PSA Erlöse von gut 4,8 Milliarden Euro ein. Die Pläne für Opel und Vauxhall entwickelten sich wie vorgesehen, um "diese starke Leistung zu einer soliden Basis für die Zukunft zu machen", erklärte der PSA-Finanzvorstand.

Ohne die neuen Unternehmensteile, also nur mit den ursprünglichen Kernmarken Peugeot, Citroen und DS, musste sich PSA im Autogeschäft mit einem Umsatzplus von 13,3 Prozent auf 10,21 Milliarden Euro begnügen. Angaben zu Gewinnen oder Verlusten gab es zunächst nicht. An der Pariser Börse gaben die Peugeot-Aktien im frühen Handel 0,6 Prozent nach.

An PSA sind unter anderen die Familie Peugeot, der chinesische Hersteller Dongfeng und der französische Staat beteiligt. Sie sollen auf der Hauptversammlung auch einen Gehaltszuschlag in Höhe von einer Million Euro für Vorstandschef Carlos Tavares absegnen, den er für das zurückliegende Jahr bekommen soll.

mg/rtr/dpa-afx

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