21.02.2019 
VW und PSA ist Spritspar-Technik für das Segment zu teuer

Warum das Angebot an Auto-Zwergen wohl bald schrumpft

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Richtig günstige Autos und schärfere CO2-Vorgaben der EU: Das kann nach Ansicht von Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess nicht lange gutgehen. Mit verschärften EU-Flottengrenzwerten werden gerade kleine Autos deutlich teurer werden, warnte er Mitte Januar auf der Detroiter Automesse.

Um die Flottenziele der EU für das Jahr 2030 zu erreichen, müsste VW teure Spritspar-Technik auch in seinen Kleinstwagen einbauen. Das würde etwa den Preis eines VW Up um 3500 Euro steigen lassen - ein kräftiger Aufschlag für ein Fahrzeug, dessen Basisversion aktuell rund 11.000 Euro kostet. "Ich bin mir nicht sicher, wie viele Kunden sich dann noch unsere Einstiegsmodelle leisten könnten", sagte Diess ziemlich unverblümt.

Fraglich wird damit aber auch, wie lange die Wolfsburger noch festhalten wollen an ihrem Einstiegsmodell VW Up. Denn Diess Aussagen lassen den Schluss zu, dass er mit fallenden Profiten beim Verkauf von Kleinstwagen rechnet - und möglicherweise das Modell ganz in Frage stellt. Immerhin wird der Up seit Ende 2011 verkauft, 2016 verpasste VW seinem Kleinsten ein Facelift. Die zweite Generation müsste also längst in Vorbereitung sein - doch von VW-Seite gab es zuletzt nicht mal Andeutungen zu einem Nachfolger.

Zumal sich auch wichtige europäische Konkurrenten aus dem Minicar-Segment verabschieden. Opel etwa stellt den Verkauf der unter GM-Ägide entwickelten Kleinwagen Adam und Karl in diesem Jahr ein. Auch die neuen Opel-Eigentümer, die französische PSA Group, sind vom Autowinzling-Segment offenbar nicht mehr überzeugt.

PSA erklärte im November, ein gemeinsam mit Toyota betriebenes Kleinstwagenwerk ab 2021 komplett den Japanern zu überlassen. In dem Werk in Tschechien laufen bislang die Schwestermodelle Toyota Aygo, Peugeot 108 und Citroen C1 vom Band. Auch dieser Schritt legt nahe, dass PSA sich aus dem Kleinstwagen-Business verabschieden will.

PSA beschwert sich über geringe Profite

Dabei sorgt der Verkauf der Miniautos in Europa durchaus für Volumen: Laut einer Auswertung von Jato Dynamics kamen Kleinstwagen im vergangenen Jahr EU-weit auf einen Marktanteil von 7,8 Prozent. Damit lagen sie in der Segmente-Wertung auf Rang vier hinter SUVs, Kleinwagen und der Kompaktklasse. Besonders in Südeuropa sind die Miniautos beliebt und verkaufen sich gut. Zwar liefern sie geringere Margen ab als größere Autos, doch mit der Masse ließ sich bislang durchaus Kasse machen.

Das dürfte in Zukunft aber schwerer werden, meint PSAs Europachef Maxime Picat laut einem Bericht von "Automotive News Europe" (ANE). In diesem Segment Geld zu verdienen werde härter "durch all die Technologie, die wir hinzufügen müssen", erläuterte Picat im Januar. Er klang damit ähnlich wie Diess - und fügte noch einen interessanten Satz hinzu. "Wir haben gehört, dass der VW-Konzern die Entwicklung in diesem Segment stoppen will".

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Doch nicht alle Autohersteller stimmen einen Abgesang auf ihre Kleinstwagen an. Vom Autokonzern Fiat Chrysler etwa ist bislang kein Ton in dieser Richtung zu hören. Die Italiener führen mit dem Fiat 500 seit langem das Kleinstwagensegment europaweit an. Zuletzt haben die Italiener 194.000 Stück des 500ers verkauft, mit ihrem Modell Panda liegen sie auf Platz zwei des Kleinwagensegments.

Toyota, mit seinem Aygo hinter dem VW Up europaweit auf Platz vier im Kleinstwagen-Segment, hat zuletzt um 9,4 Prozent auf 87.000 verkaufte Fahrzeuge zugelegt - und bleibt dem Wagen wohl treu. Das Segment sei ein sehr wichtiger Teil des Marktes für Toyota, weil es neue, jüngere Kunden bringe, erklärte Toyotas Europachef Johan van Zyl gegenüber "ANE". Bei der nächsten Aygo-Generation sei auch eine stärkere SUV-Optik möglich, deuteten Toyota-Manager an.

Auch vom koreanischen Autohersteller Hyundai-Kia, der mit dem Kia Picanto europaweit zuletzt deutlich zulegte, gibt es derzeit keine Andeutungen zu einem möglichen Rückzug aus dem Segment.

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