28.01.2019 
Volkswagen bündelt Batterieaktivitäten

Ex-ZF-Chef Sommer zimmert sich sein VW-Reich zurecht

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2. Teil: In welche Spartenvorhaben der Konzern investiert

Deshalb nimmt Sommer sich erstmal der zukunftsträchtigen Batterietechnik an. Die Komponenten-Sparte übernimmt nun die Verantwortung "vom Kompetenzaufbau für die Batterie bis zum Recycling", erklärte Sommer in Salzgitter. Bislang stellen VWs Komponentenwerke Motoren, Getriebe, Lenkungen, Achsen und Sitze her. Für das Umpolen der Sparte auf mehr Elektromobilität nimmt VW einiges Geld in die Hand: Laut Schmall sollen 2019 und 2020 870 Millionen Euro in die Fertigung von Komponenten für E-Autos fließen, bis 2023 sollten es 3,8 Milliarden Euro werden. Ab 2023 werde die Kurve bei der Fertigung von Verbrennungsmotoren sinken.

Zugleich soll in der Sparte aber auch gespart werden: Bis 2025 sollen zwei Milliarden Euro erreicht sein. Zwischen 2016 und Ende 2018 seien es im Rahmen des "Zukunftspakt" genannten Sparpakets bereits über 750 Millionen Euro gewesen, erklärt Schmall. Zudem baut die Sparte weiter Stellen ab - allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen. Die Beschäftigung werde "entlang der demografischen Kurve" um etwa 10 Prozent bis 2023 sinken, kündigt Schmall an. Dies beziehe sich auf die rund 30.000 Beschäftigten in den deutschen Werken, rund 1900 Stellen seien über den "Zukunftspakt" bereits abgebaut.

Sommer will keinen "Bieterwettstreit" anzetteln

Mit dem Geld aus der Konzernkasse entsteht im Werk in Salzgitter eine Pilotanlage zur Fertigung von Batteriezellen, eine Recycling-Pilotanlage kommt im ersten Halbjahr 2020 hinzu. Ziel ist es laut Beschaffungsvorstand Sommer, bis zu 97 Prozent der Materialien wiederzugewinnen. In Braunschweig sollen Batteriesysteme entwickelt und gebaut werden. Unter anderem in Kassel werden E-Antriebe gebaut. Von der Kunststofffertigung werde sich Volkswagen trennen.

Mit einer Ansage will Sommer aber wohl auch die Zuliefererbranche beruhigen. Die Komponentensparte wird nicht in das Geschäft mit Fremdfirmen einsteigen, sagt Sommer - also nicht als eigenständiger Zulieferer für andere Autohersteller arbeiten. In einen "Bieterwettstreit" mit Lieferanten werde Volkswagen nicht treten.

Dafür hat die Komponentensparte eine drängende Beschaffungsaufgabe: "Wir werden einen hohen Bedarf an Batteriezellen haben", betont Sommer mit Blick auf die Fahrt aufnehmende E-Mobilität. Ende 2019 beginnt im Werk Zwickau die Produktion des ersten Modells der neuen vollelektrischen ID-Modellfamilie. Ob Volkswagen selbst Batteriezellen herstellen werde, hänge davon ab, ob dies in kurzer Zeit auf wettbewerbsfähige Weise möglich sein werde, so Sommer. Die Produktion von Batteriezellen gilt als besonders energieintensiv und damit als teuer.

VW-Konzernchef Herbert Diess äußerte sich zu einer möglichen Zellenproduktion kürzlich etwas anders: "Wir sprechen auch über ein Gemeinschaftsunternehmen für die Batterieproduktion", erklärte Diess vor wenigen Tagen in Davos. "Aber das ist eigentlich eine typische Aufgabe für einen Zulieferer." Deswegen werde VW dort keine Mehrheitsposition einnehmen. Das Joint Venture werde wohl auch kaum den ganzen Bedarf für VW decken, eher nur Richtung 5 oder 10 Prozent.

Das klang so, als würde Diess dafür einen externen Zulieferer vorsehen.

mit Material von dpa, Reuters

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